Interview mit Dr. Axel Zein, Geschäftsführer bei WSCAD, über die neue Elektro-CAD-Software Electrix

Engineering auf neuem Level

Im Jahr 1990 gegründet, wollte sich WSCAD eigentlich auf das Design von Leiterplatten ausrichten. Doch wie so oft, kam es anders: Heute ist das Unternehmen mit seinem Angebot für den Elektro-CAD-Bereich im Maschinen- und Anlagenbau etabliert. "Unter dem Namen Electrix steht jetzt unsere neue Softwaregeneration in den Startlöchern - mit umfangreichen Verbesserungen und Erweiterungen", verspricht Axel Zein. Wie die konkret aussehen und auf welche Trends man damit reagieren will, erklärt der WSCAD-Geschäftsführer im SCHALTSCHRANKBAU.

Das Schlagwort KI ist ja aktuell in aller Munde. Welches Potenzial bietet es im Engineering?

Zein: Ich glaube das KI im Engineering eine unglaubliche Kraft entfalten wird und heute noch völlig unterschätzt ist. Aber es gibt grundsätzlich zwei Arten von KI. Das eine sind vorbereitete regelbasierte Systeme, mit denen sich im Schaltanlagenbau etwa Fehler vermeiden lassen. Das ist schon mal nicht schlecht. Besonders spannend wird es aus meiner Sicht aber dann, wenn das System anfängt, selbstständig Regeln zu erfinden. Das ist alles andere als trivial. Es müssen dann smarte Algorithmen eingesetzt werden, die das Verhalten des Anwenders ganz genau analysieren – und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Wir befinden uns hier aktuell bereits in vielversprechenden Testphasen. Allerdings muss man sicherstellen, dass die Komplexität dabei nicht ins Unendliche schießt.

Die WSCAD Suite hat neun Jahre getragen. Wie sieht Ihre Roadmap für Electrix aus?

Zein: Ich hoffe, sie erstreckt sich über einen ähnlichen Zeitraum. Aber ehrlich gesagt, wage ich keine Vorhersage. Denn die Digitalisierung beeinflusst momentan so viele Faktoren. Von der Elektrokonstruktion über die Automatisierung und Organisation bis hin zum Nutzerverhalten – egal, ob Schaltanlagenbauer oder Instandhalter. Das Potenzial unserer modernen Engineering-Lösungen für den Anwender ist riesig. Aber er muss in der Lage sein, seinen eigenen Digitalsierungsprozess individuell aufzusetzen. Demnach ist also auch der Aufwand ist nicht ganz klein.

Bitte geben Sie nochmals ein Beispiel.

Zein: Wir haben einen großen Kunden, der die Schaltpläne seiner Maschinen schon seit einiger Zeit automatisch generiert. Ziel war es jetzt, auch die Verfahrenstechnik zu automatisieren. Idealerweise sollten dann auf Knopfdruck sowohl der verfahrenstechnische Plan als auch der Elektroplan ausgespuckt werden. Diese Umstellung setzte aber organisatorische Veränderungen in diversen Abteilungen voraus, wodurch letztlich sogar die Gewerkschaft mit im Boot saß. Mit Auswirkungen in solchen Dimensionen hatte der Kunden ursprünglich sicherlich nicht gerechnet. Letzten Endes haben sich die Mühen für ihn aber gelohnt und der Mehrwert hat den Mehraufwand weit übertroffen.

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