Vernetzte Werkzeugbereitstellung bei Deloro

Matthias Heydorn (r.), Leiter Costing & CAD/CAM bei Deloro, im fachlichen Austausch mit Area-Manager Peter Schrumpf von Coscom am InfoPoint VM.
Matthias Heydorn (r.), Leiter Costing & CAD/CAM bei Deloro, im fachlichen Austausch mit Area-Manager Peter Schrumpf von Coscom am InfoPoint VM.Bild: Coscom Computer GmbH

Deloro Wear Solutions hat durch die Implementierung des Coscom Eco-Systems eine durchgängige digitale Kette vom CAD/CAM-Bereich bis zum Shopfloor geschaffen. Durch die Integration von Werkzeugmanagement, Lagerverwaltung und NC-Programmierung konnten Kollisionen reduziert, Bestände verbessert und die Prozesssicherheit signifikant erhöht werden.

Die Zusammenarbeit zwischen Deloro Wear Solutions aus Koblenz, einem Anbieter von Verschleißschutzlösungen, und Coscom Computer begann im Jahr 2008 mit der Einführung einer NC-Programmverwaltung. Diese Partnerschaft entwickelte sich über die Jahre von einer Softwarelösung zu einem integrierten System für die Fertigung. Ziel der gemeinsamen Initiative war es, alle fertigungsrelevanten Informationen in einer durchgängigen digitalen Lösung abzubilden.

Zentraler Bestandteil der Lösung ist das System FactoryDirector VM von Coscom, welches seit mehreren Jahren für die NC-Programmverwaltung und DNC-Anbindung der Maschinen genutzt wird. Ab 2022 wurde die Plattform modernisiert und zum Eco-System ausgebaut. Dieses umfasst nun das Modul ToolDirector VM für das Werkzeugmanagement, den InfoPoint VM zur Bereitstellung von Fertigungsinformationen sowie eine Lagerverwaltung und ein Werkzeugkreislaufsystem.

Phasen der Implementierung und Systemintegration

Die Einführung erfolgte in mehreren Phasen. Zunächst wurden Daten aus einer Access-Datenbank migriert und die Anwendung um Funktionen für das CAM-Datenmanagement sowie das Toolmanagement erweitert. Die digitale Erfassung umfasst dabei nicht nur Einzelkomponenten, sondern komplette Werkzeuge, Messmittel und Spannmittel. Der Softwarehersteller richtete Schnittstellen zu Systemen wie SAP und Edgecam ein, um redundante Dateneingaben zu vermeiden und den digitalen Zwilling direkt in der Programmierung bereitzustellen. Zudem wurde ein Haimer-Werkzeugmesssystem integriert.

In einem zweiten Schritt wurden die Funktionalitäten in den Bereichen Lagerverwaltung und physischer Werkzeugfluss ausgebaut. Laut Peter Schrumpf, Area-Manager bei Coscom, erfolgte die Einbindung der Lagerverwaltungssoftware Tool24 sowie von Kardex-Systemen, um eine automatisierte Verwaltung der Werkzeugbestände zu realisieren. Tool24 ist an die Gesamtlösung angebunden. Der implementierte Werkzeugkreislauf ermöglicht es, Bedarfe direkt aus der Fertigung anzustoßen, um eine rechtzeitige Bereitstellung der Werkzeuge zu gewährleisten.

Der Anwender legt die Werkzeugdaten als digitalen Zwilling einmal im ToolDirector VM an und verwendet diesen sowohl für den Einsatz im Edgecam als auch im Haimer-Voreinstellgerät.
Der Anwender legt die Werkzeugdaten als digitalen Zwilling einmal im ToolDirector VM an und verwendet diesen sowohl für den Einsatz im Edgecam als auch im Haimer-Voreinstellgerät.Bild: Coscom Computer GmbH

Vor der Einführung führte das Unternehmen ein Consulting durch. Parallel zur Software-Integration nahm Deloro physische und organisatorische Anpassungen vor, darunter den Umbau der Werkzeugausgabe sowie die Anschaffung von Hardware für die Werkzeuglogistik und Vermessung. Der Prozess beinhaltete laut Schrumpf zunächst eine Analyse und Dokumentation des Ist-Zustands, gefolgt von konkreten Prozessvorschlägen.

Steigerung der Prozesssicherheit und Bestandsoptimierung

Die Nutzung des Systems führt laut Unternehmensangaben zu einer erhöhten Prozesssicherheit und Transparenz. Matthias Heydorn erläutert, dass Werkzeugpläne vor der Einführung von ToolDirector VM auf Word-Basis oder händisch erstellt wurden und sich oft nur auf die schneidende Komponente beschränkten. Dies führte bei Wiederholaufträgen zu Kollisionen, da Komplettwerkzeuge nicht eindeutig definiert waren. Durch die nun vorhandenen Zusammenbauvorschriften können im CAM-Bereich reale geometrische Daten genutzt werden, wodurch Kollisionen unmittelbar erkannt werden. Die Werkzeugpläne sind vollständig; über den Verwendungsnachweis lässt sich bei einem auslaufenden Werkzeug nachvollziehen, welche Bauteile betroffen sind.

Zudem ermöglicht die Lagerverwaltung eine transparente Bewertung der Werkzeugbestände, was gezielte Maßnahmen zur Reduzierung von Überkapazitäten erlaubt. In der Folge wurden die Bestände innerhalb der Fertigung reduziert und die Planungssicherheit erhöht, da Fehlbestände frühzeitig erkannt werden.

Anforderungen an den Betrieb und die Umsetzung

Die Einführung eines solchen Systems erfordert laut Hersteller Disziplin sowie klar definierte Prozesse und Verantwortlichkeiten. Auch der Betrieb und die Pflege sind, insbesondere in der Einführungsphase, mit einem entsprechenden Aufwand verbunden. Die Unterstützung durch Coscom erfolgte in strukturierten Projektabschnitten, inklusive Schulungsmaßnahmen für die Mitarbeitenden vor der Inbetriebnahme.

Matthias Heydorn betont, dass das praxisgerechte Projekt-Knowhow des Partners bei der Umsetzung hilfreich war. Während des Projekts tauschte sich Deloro zudem mit Referenzkunden aus, um Erfahrungen über die Umsetzung in anderen Unternehmen zu gewinnen. Coscom unterstützt diesen Dialog innerhalb der Eco-System-Community.

Digitaler Workflow und Schnittstellenmanagement

Die Fertigung wird heute weitgehend digital unterstützt; im Eco-System werden rund 45.000 NC-Programme gepflegt. Für die CAM-Programmierung werden zunächst Volumenmodelle im CAD erstellt. Auf dieser Basis wird über Edgecam unter Verwendung der digitalen Komplettwerkzeuge ein NC-Programm generiert. Dieses wird im System hinterlegt, woraufhin über die Werkzeug-IDs per Knopfdruck der Werkzeugplan erstellt wird. Die Maschine bezieht das Programm anschließend über die DNC-Anbindung in die Steuerung, während der Maschinenbediener den Werkzeugplan über den InfoPoint VM einsehen kann.

Der Rüstprozess an der CNC-Maschine beginnt mit einer Werkzeug-Nettobedarfsermittlung im Werkzeugkreislauf. Vorarbeiter können die benötigten Werkzeuge fristgerecht anfordern. Die Mitarbeiter der Werkzeugausgabe stellen diejenigen Werkzeuge zusammen, die noch nicht in der Maschine vorhanden sind – eine Information, die ebenfalls aus dem System bezogen wird -, vermessen diese und stellen sie zur Verfügung.

Herausforderungen traten laut Projektbericht bei der Prozessfähigkeit von Drittanbietersystemen auf, was zusätzlichen Entwicklungsaufwand erforderte. Diese Hürden wurden durch die Schnittstellenkompetenz des Softwareanbieters bei der Vernetzung der heterogenen Systemlandschaft überwunden.

Alle relevanten Daten – von NC-Programmen über Werkzeugdefinitionen bis hin zu Bestandsdaten – sind zentral verfügbar und verknüpft. Die Echtzeit-Darstellung von Fertigungsinformationen und Statusänderungen im InfoPoint VM sorgt für eine konsistente Informationsqualität im Shopfloor.

Nach Angaben von Matthias Heydorn können potenzielle Probleme früher erkannt werden, was die Anzahl ungeplanter Maschinenstillstände reduziert. Die Verfügbarkeit von Werkzeugen ist durch die Lagerverwaltung besser bewertbar; fehlende Sonderwerkzeuge werden digital erkannt, ohne dass eine physische Suche notwendig ist. Im Bestandsmanagement konnten nicht genutzte Werkzeuge identifiziert und standardisiert werden, was zu einer deutlichen Bestandsreduzierung führte. Die Lösung bildet zudem die Grundlage für kontinuierliche Prozessoptimierungen und zukünftige Erweiterungen, etwa im Bereich webbasierter Anwendungen.