Integrierte Produktionssteuerung seit 15 Jahren
Neben der technischen Infrastruktur ist auch ein modernes Manufacturing Execution System (MES) notwendig, um die Prozesse zu digitalisieren. Mercedes-Benz setzt zur Steuerung der Produktionsprozesse weltweit bereits seit mehr als 15 Jahren die Software Plus von Abat ein. Dabei handelt es sich um eine integrierte Produktionssteuerungslösung, die Fertigungs- und Produktionsprozesse lenkt sowie das Qualitätsmanagement durchgängig in der gesamten Produktion übernimmt. Durch die serviceorientierte Architektur (SOA) ermöglicht Plus ein hohes Maß an Standardisierung, ohne Einbußen bei der Individualisierung. Damit können alle gewerke- und standortspezifischen Prozesse in der Fertigung mit derselben Software abgedeckt werden – in der Automobilproduktion beispielsweise vom Rohbau bis zur Auslieferung. Sämtliche Informationen zu Qualität, Prozessen, Terminen oder Teilen werden dokumentiert. Erst ein solches System ermöglicht die konsequente Abschaffung von Papier in der Produktion.
Worauf kommt es an?
Auf seinem Weg zur papierlosen Fertigung geht Mercedes-Benz schrittweise vor. Zunächst diente das Werk in Sindelfingen als Pilotprojekt, in dem Papier sukzessive abgeschafft und die einzelnen Produktionsschritte nach und nach digitalisiert wurden. Gesteuert wird das Projekt mit der Scrum-Methode, da dieser Ansatz besonders gut mit oft aktualisierten Anforderungen zurecht kommt. Die agile Methodik bot die bestmögliche Plattform, um die Zusammenarbeit von Fachbereich, IT und dem Systemintegrator Abat zu orchestrieren. Innerhalb sogenannter Sprints, die im Rhythmus von zwei Wochen durchgeführt wurden, wurden vorher definierte Arbeiten abgearbeitet. Alle zwei Wochen wurde die überarbeitete Software installiert und konnte direkt im Werk produktiv genutzt werden. Dieser Ansatz bringt den Vorteil, dass Änderungen schnell eingearbeitet werden können, ohne die Produktion zu beeinträchtigen. Zudem werden auf diese Weise die Mitarbeiter in der Produktion in kleinen Schritten an die Digitalisierung der Abläufe herangeführt. Sie sehen sich nicht von heute auf morgen nur noch mit Tablets und Smartphones, also neuen und mitunter fremden Endgeräten konfrontiert, sondern können die neue Technologie an einzelnen Stationen kennenlernen.
Zusammen mit der Belegschaft
Bei seiner Digital-Initiative legte Mercedes-Benz großen Wert auf das Feedback der Anwender: Sie waren am Entwicklungsprozess beteiligt und konnten auch hinsichtlich des Designs und der Funktionalität ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern. Denn nur der Mitarbeiter am Band weiß genau, welches Design und welche Funktionalität ihm bei der Arbeit am meisten nutzt. Mercedes-Benz stellt damit nicht nur sicher, dass die Stationen für die Mitarbeiter leicht zu bedienen sind, sondern erhöht dadurch auch die Akzeptanz der neuen Lösung. Viele Mitarbeiter arbeiten schon jahrelang mit Papier. Umso wichtiger ist es, die Werksmonteure schon bei der Entwicklung einzubeziehen und die Umstellung schrittweise durchzuführen. Zur erfolgreichen Umsetzung der papierlosen Fabrik bedarf es also einer durchdachten Kombination aus agilen Projektmethoden, intelligenten Softwarelösungen und einem gezielten Change Management. So können Automobilhersteller den Herausforderungen auf dem Weg zur Industrie 4.0 begegnen und konsequenten Nutzen daraus ziehen. So kann es in Zukunft in den Werken weltweit heißen: Papierkram ade!
















