Was ist was?

Plan B für die Fertigung

Fasst man Ausrichtung heutiger Produktionsanlagen zusammen, geht es primär um hohe Stückzahlen. Einmal installiert und abgenommen, ändert sich die Produktion nicht mehr großartig. Das ist das erklärte Ziel und es ist kein Plan B erforderlich. In der massenindividualisierten Produktion von Industrie 4.0 geht es genau in die andere Richtung: Es geht um Flexibilität, um Selbstoptimierung und Adaptionsfähigkeit. In Zukunft muss eine Maschine dazu befähigt sein, sich autonom umzuplanen und zu adaptieren, um bei sich ändernden Produktionsfaktoren quasi selbst einen Plan B zu entwickeln. „Viele Sachen, die vorher ein Ingenieur vorab gemacht hat, müssen dann zur Laufzeit durch die Umgebung selbst erledigt werden“, so Liggesmeyer. Das habe eine ganze Menge Implikationen, die man sich auf dem ersten Blick nicht klarmache. Zum Beispiel macht eine klassische Abnahme bei einer sich ständig ändernden Produktionsstraße keinen Sinn mehr.

Beispiel autonome Landmaschine

Um zu verdeutlichen, wie weit die Begriffe Industrie 4.0, IoT und Big Data reichen, zieht Liggesmeyer das Beispiel einer Landmaschine heran. Heute sind Traktoren mechanisch und steuerungstechnisch über Bussysteme mit den Anhängegeräten verbunden. Diese Einheit wird sich auflösen. In Zukunft sollen beide Maschinen fahrerlos nebeneinander und miteinander arbeiten. Ein Landwirt muss im Zukunftsszenario dann immer mehr technologische Aspekte berücksichtigen, sei es Funkkommunikation oder Navigation. Darüber bekommen Punkte wie Wettervorhersagen und Erntepläne zunehmend Gewicht. Die Entwicklungen sind allesamt datengetrieben und man findet sie nicht nur in der klassischen Industrie, sondern praktisch in allen Lebensbereichen.

Smart Eco Systems

„Das Charakteristikum dahinter sind nach unserem Verständnis sogenannte Smart Eco Systems“, erklärt Liggesmeyer. „Früher waren Informationssysteme und Embedded Systems sauber getrennt.“ Große Datenbanken auf der einen und elektronische Komponenten auf der anderen Seite. Heute besteht die Tendenz, diese Bereiche unter Einbezug der Mobilität zusammenzuführen zu Embedded Mobile Systems – das Smartphone als bestes Beispiel. Diese interagieren als sogenannte Cyber Physical Systems über Sensorik und Aktorik mit ihrer Umgebung. „Auf der anderen Seite gibt es den Begriff der Emerging Software“, führt Liggesmeyer fort. Cyber Physical Systems seien eher embedded-getrieben, während Emerging Software mehr informationsgetrieben ist. Entsprechend wachsen diese Trends zu Smart Eco Systems zusammen. Das können sowohl Produktionssysteme, als auch Mobilitätslösungen, Medizingeräte oder Arbeitsmodelle sein. Allen gemein ist: Ohne Daten geht darin nichts. „Wenn wir die Charakteristika jetzt zusammenfassen“, so Liggesmeyer weiter, „dann ergibt sich daraus eine ganze Menge.“ Zunächst mal müssen die Smart Eco Systems offen sein. Das erfordert aber auch Standardisierung der Technologien bzw. der Interoperabilität zwischen Plattformen. Wie man eine solche Vereinheitlichung erreichen kann, wird momentan stark diskutiert. Weitere Folgerungen sind: Massenindividualisierung geht nicht ohne Datenintegration. Selbstorganisation erfordert eine Interaktion der Akteure. Re-Organisation erzeugt eine autonome Verhandlung der Abläufe und erfordert Selbstdiagnostik. Statt Ausfällen werden Maschinen von alleine auf die Idee kommt, dass und wie Dinge anders zu machen sind.

Seiten: 1 2 3Auf einer Seite lesen

Fraunhofer- Institut ITWM
www.iese.fraunhofer.de

Das könnte Sie auch Interessieren