Vertrauenssache

Vertrauenssache

Die Hannover Messe hat schon seit einigen Jahren das Thema Industrie 4.0 (I4.0) im Fokus ihres Messegeschehens. Da passt es, dass dieses Jahr mit den USA die Heimat des Internet of Things (IoT) als Partnerland kommt.
Vielleicht ergibt sich für die Besucher vor Ort so die Möglichkeit, beide Konzepte miteinander zu vergleichen und entsprechende Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten zu finden. Beide Konzepte unterstreichen aber auch, dass das Thema Software und Kommunikation immer wichtiger für die Fabrik der Zukunft wird. Der ´Wert´ einer Hardware wird sich zukünftig immer stärker über die Intelligenz definieren, die in den Geräten zur Verfügung steht. Dies verlangt aber ein Umdenken, sowohl von den Herstellern der Geräte als auch von deren Anwendern. Es ist Vertrauenssache, wenn ein Condition Monitoring System (CMS) einem Anwender anzeigt, dass ein Gerätewechsel in nächster Zeit sinnvoll wäre, um einen Ausfall seiner Maschine zu vermeiden. Basiert diese Entscheidung doch auf eine Datenauswertung, deren Hintergrund (und Algorithmen) nur dem CMS-Hersteller bekannt ist, der dieses Wissen aber nicht unbedingt mit seinem Kunden teilen möchte, so muss der Anwender letztendlich dem Hersteller vertrauen und darf sich nicht fragen, ob ein Gerätetausch wirklich notwendig ist, weil das Gerät auszufallen droht, oder der Sensorhersteller ´nur weitere Sensoren verkaufen möchte. Dies bringt uns wieder einmal zu der (bisher noch nicht wirklich geklärten) Frage, wem denn eigentlich die ganzen Daten gehören, die bei Industrie 4.0 anfallen: Dem Hersteller des CMS oder dem Maschinenbauer, der das CSM einsetzt? Auf der anderen Seite muss sich beispielsweise aber auch ein Klemmenhersteller darauf einstellen, dass zukünftig seine Kompetenz nicht mehr alleine in der Herstellung einer Klemme liegt, sondern auch in der Integration einer gewissen Intelligenz oder Kommunikationsfähigkeit in seine Produkte sowie der Auswertung der dadurch anfallenden Daten. Dabei ergeben sich natürlich auch völlig neue mögliche Geschäftsmodelle für den Klemmenhersteller. Welche dies sein werden, ist derzeit aber noch schwer abzusehen. Selbst eine Namur, die mit ihrem prozesstechnischen Hintergrund eher konservativ an neue Technologien herangeht, beschäftigt sich mittlerweile mit dem Thema Industrie 4.0 und deren Möglichkeiten. Allerdings dürfte die Umsetzung neuer I4.0-Konzepte in der Prozessautomation noch ein Weilchen auf sich warten lassen, da dort immer noch ca. 80 Prozent der Messdatenkommunikation analog erfolgt und man von Cloud-Diensten, die extern den Zustand einer Anlage bewerten, derzeit noch ein gutes Stückchen entfernt ist. Daher ist die Hannover Messe sicherlich der ideale Ort, sich mit allen diesen Thematiken etwas näher zu beschäftigen, um nicht völlig den Überblick zu verlieren. Vielleicht sehen wir uns ja vor Ort in Hannover.

Viele Grüße aus Marburg

Dr.-Ing. Peter Ebert

Ressortleiter Bildverarbeitung, Messtechnik & Sensorik

pebert@sps-magazin.de

TeDo Verlag GmbH
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