Sprechen, wischen oder gestikulieren?
Im Transferprojekt ExtruFace untersuchte das Citec gemeinsam mit den Verantwortlichen von Battenfeld-Cincinnati, welche Bedienkonzepte sich für künftige Maschinengenerationen anbieten. Ziel war dabei u.a., eine verbesserte Benutzerführung zu erreichen und die kognitive Belastung des Nutzers dabei so gering wie möglich zu halten. Auf der Basis einer Anforderungsanalyse, zu der auch Interviews mit Maschinenanwendern gehörten, wurde für zwei Varianten – Touch und freie Gestik – eine Konzeption erstellt, die als Prototyp gebaut und anschließend evaluiert wurde. Eine Sprachsteuerung schied aus, weil es im Umfeld der Maschinen häufig zu laut ist.
Einbeziehen der Nutzer
Der Prototyp der Touch-Schnittstelle zeichnet sich durch eine übersichtliche Gestaltung mit klarer Nutzerführung aus. Die Icon-Auswahl passt sich dem Nutzer-Feedback an, sodass die Oberfläche nicht überladen wirkt. Als Alternative wurde eine Schnittstelle entwickelt, bei der vor dem Touch-Monitor ein Leap Motion Controller installiert ist, der ein Set von definierten Gesten (z.B. für Drag&Drop und Bestätigung) erkennt. Zusätzlich kommt auch die 3D-Kamera des MS-Kinect-v2-Systems zum Einsatz, die die Entfernung des Nutzers und großmotorische Gesten z.B. für den Start der Maschine erkennen soll. Um versehentliches Auslösen der Maschine durch z.B. eine zufällige Geste eines Mitarbeiters im Hintergrund zu vermeiden, wurde zusätzlich eine Sicherheitsgeste in das Gesten-Set aufgenommen, bei der der Bediener 4s lang seine Hand oben halten muss, bevor er die Startgeste ausführt.
Vergleichstest: Touch- oder Gestensteuerung?
Die beiden Interfaces testeten nun je zwölf Teilnehmer, wobei jeweils acht maschinentypische Aufgaben zu erledigen waren. Bei den rein faktischen Kriterien wie Zeitdauer und Genauigkeit wurden keine signifikanten Unterschiede gemessen. Unterschiede gab es jedoch bei der subjektiven Empfindung: Die Probanden bewerteten die kognitive Belastung bei der Touch-Steuerung als deutlich niedriger im Vergleich zur gestenbasierten Interaktion. Die Usability, d.h. die Gebrauchstauglichkeit der Touch-Steuerung, bewerteten sie als signifikant besser. Bei der User Experience hingegen gab es für die gestenbasierte Interaktion eine bessere Bewertung für die hedonische Qualität (HQ) der Schnittstelle – ein Faktor, der über reine Nützlichkeit hinausgeht und dem Nutzer durch neuartige Funktionen und Interaktionsformen Spaß und Freude bereitet.

















