Auf Krisen vorbereitet sein

Internationale Krisen und Konflikte haben gravierende Folgen für die Weltwirtschaft. Um solchen unvorhersehbaren Ereignissen, sogenannten ‘Black Swan Events’, entgegenzuwirken, gilt Resilienz als eine Schlüsselkompetenz, also die Fähigkeit, Belastungen zu bewältigen und gestärkt aus Krisen hervorzugehen.

Krise trainieren

Den Umgang mit Krisen können Unternehmen gezielt trainieren. Dazu eignen sich physische Serious Games – Planspiele, die komplexe Zusammenhänge transparent und erlebbar machen. Ihr primäres Ziel ist die Vermittlung von Wissen und die Förderung spezifischer Fähigkeiten. Bisherige Serious Games gelten jedoch oft als starr und eindimensional und mit hohem Anpassungsaufwand verbunden. Hier setzt das Forschungsprojekt ‘Res-Game’ an. Ziel ist die Weiterentwicklung von Serious Games als Trainings- und Entwicklungsumgebungen für produzierende Unternehmen, mit denen sie Resilienz ganzheitlich trainieren und testen können. Dafür integrieren und synchronisieren die Beteiligten relevante Unternehmensbereiche – von der Ebene der Mitarbeitenden (individuelle Kompetenz) und Teams (Zusammenhalt und Kommunikation) über die Organisation (Struktur) bis hin zu den Prozessen (Robustheit und gleichzeitige Flexibilität). Neben dem Fraunhofer IPK sind das Fraunhofer IAO, das Institut für Psychologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Accentus, KSB, AZO Global Product Center, Budatec sowie Mevor am Projekt beteiligt. Psychologen, Ingenieurinnen, Informatiker und Betriebswirtschaftlerinnen arbeiten hier interdisziplinär zusammen, um eine branchenübergreifende Lösung mit breiter Anwendbarkeit zu schaffen.

Modellbasierter Konfigurator spart Zeit

Herzstück des Projekts ist ein modellbasierter Konfigurator. Laut den Forschenden können Serious Games damit unter vertretbaren Kosten und Zeitaufwänden an unternehmensspezifische Rahmenbedingungen und Szenarien angepasst werden können. Mit Hilfe des Konfigurators werden Spiel-Sichten, beispielsweise didaktische und spielmechanische Perspektiven, teilautomatisiert erzeugt. Darüber hinaus wird eine KI-gestützte Prozessgenerierung entwickelt, um weitere Resilienzszenarien zu generieren. Durch diese Automatisierung soll die Entwicklungszeit von Serious Games um circa 50% gegenüber herkömmlichen Entwicklungen reduziert werden

„Geschäftsprozesse sind heute so vernetzt, dass sich Störungen kaskadenartig ausbreiten. Theoretische Schulungen reichen nicht aus, um Mitarbeitende auf solche Situationen vorzubereiten – hier können Serious Games helfen, die komplexe Zusammenhänge erfahrbar zu machen“, sagt Annika Lange, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektleiterin am Fraunhofer IPK. „Mit RES-GAME entwickeln wir erstmals ein flexibles Serious Game, das Unternehmen schnell an ihre spezifischen Szenarien anpassen können.“ Sie und ihr Team erweitern dafür das ursprünglich für das Produktionsmanagement entwickelte Serious Game „Lernfabrik 5.0“ um Aspekte bzw. Module der prozessualen, organisatorischen und persönlichen Resilienz. Darüber hinaus sind sie für die Entwicklung des Konfigurationsmechanismus zuständig. Er ist die Grundlage für die Erzeugung unterschiedlicher Serious-Game-Szenarien. Neben dem Lieferausfall können das konkrete Störungen wie ein Mitarbeiterausfall oder disruptive Kontexte wie die Einführung neuer IT-Systeme sein.

„Die Arbeit mit Serious Games ist ein zukunftsorientiertes Forschungs- und Anwendungsfeld“, so Prof. Dr. René Proyer vom Institut für Psychologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „Ein besseres Verständnis der psychologischen Wirkmechanismen, die beim Spielen wichtig sind, hilft uns dabei, Resilienzmodelle weiterzuentwickeln und gezielte Interventionen für den Arbeitsalltag abzuleiten.“

Wie gut das neue konfigurierbare Serious Game funktioniert, testen die im Projekt involvierten Maschinen- und Anlagenhersteller.