Integration von E-CAD und 3D-CAD schafft Vorteile

Elektrik plus Mechanik digital

Vor rund zwei Jahren begann die Firma Kautex Maschinenbau aus Bonn mit der Einführung eines mechatronischen Konstruktionssystems. Das Ziel war die Entwicklung vollständiger Modelle, mechanisch und steuerungstechnisch. Eingeführt wurde Solidworks Electrical mit seiner engen Integration zu Solidworks. Beratung, Betreuung und Service übernahm DPS Software.
  Quirin Sauermann an seinem Arbeitsplatz für Solidworks bzw. Solidworks Electrical.
Quirin Sauermann an seinem Arbeitsplatz für Solidworks bzw. Solidworks Electrical.Bild: Kautex Maschinebau GmbH

Kautex wurde 1935 als Galvanische Werkstätten Siegburg gegründet. Bis zum Kriegsende waren bereits 220 Mitarbeiter in der Kunststoffverarbeitung beschäftigt. Durch das Experimentieren mit thermoplastischen Kunststoffen entstanden schließlich Prozess und Maschinen für das Extrusionsblasen. Bei diesem Verfahren wird zunächst ein Schlauch durch extrudieren erzeugt. Dieser gelangt dann in die Blasform und wird dort aufgeblasen. Dadurch legt er sich an die Konturen der Blasform an und es entsteht das fertige Erzeugnis. Dieses Verfahren eignet sich für die Erzeugung von Hohlkörpern verschiedenster Art: Von der einfachen Shampoo-Flasche bis zu sehr komplizierten Behältern, wie z.B. Kraftstoffbehältern, ist alles möglich. „Die größten Teile, die je auf unseren Maschinen gemacht wurden, waren Heizungstanks mit einem Volumen von 10.000 Litern“, wie Quirin Sauermann, Order Processing Automation Manager berichtet.

Maschinen dieser Art gibt es mittlerweile in großer Vielfalt, je nachdem was die Kunden wünschen und brauchen. Kautex hat heute rund 500 Mitarbeiter an zwei Standorten, in Bonn und in Shunde/China. Das Unternehmen befindet sich mehrheitlich in den Händen der Familie Neumann aus Österreich.

 Die Gesprächspartner in Bonn: Sebastian Linges (links) und Quirin Sauermann.
Die Gesprächspartner in Bonn: Sebastian Linges (links) und Quirin Sauermann.Bild: Kautex Maschinebau GmbH

Engineering an zwei Standorten

Kautex entwickelt seine Maschinen und Anlagen in Bonn, wie auch am Produktionsstandort Shunde. Das geschieht im Augenblick noch getrennt, „wir sind aber gerade dabei, uns so aufzustellen, dass beide Standorte an der gleichen Maschine entwickeln können, nach dem Prinzip Follow the Sun“, so Sauermann. Die Umsetzung ist nicht gerade trivial, allein schon Sprache und Schriftzeichen zu synchronisieren ist eine Herausforderung.

Um das Engineering zu bewältigen sind rund 40 Solidworks-Lizenzen im Einsatz und nun auch 10 Lizenzen von Solidworks Electrical. Vorher hatte Kautex ein altes E-CAD-System im Einsatz, Ruplan, das früher oder später ohnehin abgekündigt werden soll.

 Kautex setzt Maßstäbe in puncto Leistungsfähigkeit der Maschinen zur Herstellung von Hohlkörpern aus thermoplastischem Kunststoff.
Kautex setzt Maßstäbe in puncto Leistungsfähigkeit der Maschinen zur Herstellung von Hohlkörpern aus thermoplastischem Kunststoff.Bild: Kautex Maschinebau GmbH

Neue Software-Basis

Kautex hat sich einige mögliche Lösungen angeschaut, die am Markt angeboten wurden. Letztendlich fiel die Entscheidung für Solidworks Electrical, weil nur dieses eine besonders enge Integration mit Solidworks hat. Die Software, um die es hier geht, deckt die komplette mechatronische Seite ab, sofern es sich um die diskrete Steuerungstechnik handelt. „Solidworks hat Anfang der 2010er Jahre erkannt, dass unbedingt ein ECAD-Programm ins Portfolio gehören würde. Anstatt das Rad neu zu erfinden hat man nach einem guten und erfahrenen Partner gesucht. Diesen fand man bei der Firma Trace in Form der Anwendung Elecworks. Solidworks hat den Kern von Elecworks genommen, um daraus Solidworks Electrical zu machen“, so Christos Giannopoulos, zuständiger Produktmanager bei DPS. Das Elektropaket selbst hatte vorher schon den Goldpartner-Status, war also datenkompatibel und unter einer Benutzeroberfläche laufend, sodass der Schritt zu Solidworks Electrical nicht allzu dramatisch war.

Heute stehen unterschiedliche Pakete zur Verfügung: Solidworks Electrical Schematics ist ein 2D-Paket für die Schaltplanentwicklung samt einer umfangreichen Bauteilbibliothek. Zudem ist die Entwicklung von Schemata in der Fluidtechnik möglich. Solidworks Electrical 3D bietet die Integration ins 3D-CAD, wobei es eine so genannte Solidworks Basislizenz voraussetzt. Durch diese Verbindung wird die 3D-Darstellung der elektrischen Komponenten bewerkstelligt. Anwender von Electrical 3D ist der klassische Konstrukteur, der alle elektrischen Komponenten mit echten Abmessungen in seiner Baugruppe verplanen kann. „Mit Solidworks Electrical konnten wir alle Dinge genau so abbilden wie wir es wollten.“ so Sauermann. Neben den rein elektrischen und mechanischen Komponenten kamen nun auch die Kabel und Schläuche hinzu. Sauermann betont: „Unser Ziel ist es, dass das Modell so vollkommen abgebildet wird, dass eine händische Nacharbeit nicht mehr nötig ist“.

 Die Maschinen von Kautex sind schon lange mechatronisch. Jetzt werden sie auch so entwickelt.
Die Maschinen von Kautex sind schon lange mechatronisch. Jetzt werden sie auch so entwickelt.Bild: Kautex Maschinebau GmbH

Vollständiges Modell als Ziel

Die Datendrehscheibe ist letztendlich das PDM-System Profile. Um alle Daten, auch die der Solidworks-Welt, dorthin zu bekommen, ist ein Stück Engineering nötig. Das hat DPS für und mit Kautex geleistet. „Dazu kamen Tools aus der DPS-JobBox-Suite zum Einsatz, welche dieses leisten konnten. Sie unterstützen den Anwender dabei, immer wiederkehrende Prozesse zu automatisieren“, erläutert Sebastian Linges, Technischer Berater Key Accounts bei DPS.

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