Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit im Maschinen- und Anlagenbau
Die richtigen Interfaces für Spätentschlossene
Dass an einer immer tiefergehenden Digitalisierung der Produktionssysteme langfristig kein Weg vorbeiführt, hat sich bei Herstellern, Betreibern und Dienstleistern des Maschinenbaus als Konsens etabliert. Zugleich sorgen aber oft Aussagen wie die folgende, von der T-Systems-Webseite entnommene für Unsicherheit bei den OEM des Maschinenbaus: "Bestehende Geschäftsmodelle werden durch die Digitalisierung in Frage gestellt, die globalen Märkte werden zunehmend volatiler."
 Gerade die Maschinenbau-Branche mit ihrer typischen Struktur aus KMU und Hidden Champions hat weltweit sehr gute Voraussetzungen, die Digitalisierung als Chance für die Erweiterung bestehender Geschäftsmodelle wahrzunehmen.
Gerade die Maschinenbau-Branche mit ihrer typischen Struktur aus KMU und Hidden Champions hat weltweit sehr gute Voraussetzungen, die Digitalisierung als Chance für die Erweiterung bestehender Geschäftsmodelle wahrzunehmen.Bild: ©ipopba/gettyimages.de

Diese Zusammenhänge, ebenso wie die daraus resultierenden Transformationen von Business-Modellen und auch die damit verbundenen Risiken, müssen sehr differenziert betrachtet werden. Gerade die Maschinenbau-Branche mit ihrer typischen Struktur aus KMU und Hidden Champions hat weltweit sehr gute Voraussetzungen, die Digitalisierung nicht als Bedrohung, sondern als Chance für die Erweiterung bestehender Geschäftsmodelle und, langfristig, die Erschließung neuer Märkte mittels neuer Technologien wahrzunehmen. Letztlich ist allen Business-Playern klar: Die Digitalisierung sichert langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der OEM im Maschinen- und Anlagenbau.

 Was auch immer die Digitalisierung im Maschinenbau erforderlich macht: für alle Ausbaustufen und Einsatzorte gibt es kostenoptimierte und skalierbare Daten-Interfaces.
Was auch immer die Digitalisierung im Maschinenbau erforderlich macht: für alle Ausbaustufen und Einsatzorte gibt es kostenoptimierte und skalierbare Daten-Interfaces.Bild: Harting Stiftung & Co. KG (Holding)

Umsetzung durch OEM

Der Weg zur Digitalisierung kann nur in vielen Einzelschritten erfolgreich beschritten werden. Für die Beteiligten kann es dabei nicht um allumfassende Sammelfunktionalitäten gehen, wie sie unter den Begriffen IIoT, Industrie 4.0, Digital Engineering und ähnlichem beschrieben werden. Es geht vielmehr um konkrete Ansätze, mit denen sich die Effizienz und Wirtschaftlichkeit von Maschinen entlang des gesamten Lebenszyklus mit möglichst wenig Aufwand steigern lassen. Und weil die Automatisierung im Maschinenbau seit Jahrzehnten primär durch Digitalisierung vorangetrieben wird, sind es in erster Linie die entsprechenden OEM, die auf Ihren Kernkompetenzen aufbauend diese Ansätze erfolgreich umsetzen können. Nur die OEM können zielführend konkrete Maßnahmen umsetzen, die bereits vorhandene Funktionalitäten und Systeme mit den erfolgversprechendsten neuen Steuerungs- und Datenübertragungs-Technologien kombinieren.

Evolutionäre Entwicklung

Die Digitalisierung in der Industrie wird oft in einem Atemzug mit dem Stichwort Industrie 4.0 genannt. Dieser Begriff steht für die 4. industrielle Revolution: Somit wird das disruptive Potential der gegenwärtigen technischen Entwicklung mit den Auswirkungen der industriellen Nutzung von Dampfmaschinen, Elektrizität und Computern gleichgesetzt. Als plakative Beispiele für die Wucht der Veränderung werden gern erfolgreiche Player wie Amazon, Microsoft und Google genannt. Für den mittelständisch geprägten Maschinen- und Anlagenbau wirkt die Entwicklung dagegen zumindest teilweise als Bedrohung. Die Protagonisten der Digitalisierung versuchen, dem die Spitze zu nehmen. Hans Beckhoff, der Gründer und CEO von Beckhoff Automation, hat während einer IHK-Veranstaltung 2017 sehr treffend dargelegt, dass der Wandel eine Chance für die industrielle Fertigung bedeutet und dass das Tempo der Umwälzung geringer ist als zunächst angenommen: „Die Einführung der Dampfmaschine wirkt aus der heutigen zeitlichen Perspektive wie eine Revolution. Es hat damals aber mehr als ein halbes Jahrhundert gedauert, bis deren Einsatz in der Industrie zu gravierenden massenhaften Veränderungen führte.“ Ähnlich solle man die Auswirkungen der Digitalisierung für die industrielle Produktion heute sehen. Sie stoße eine evolutionäre Entwicklung auf allen Ebenen und in allen Prozessen an. Beckhoff betont zugleich, dass diese Erkenntnis keinesfalls bedeutet, dass man die Hände in den Schoß legen soll. Gerade die Mutigen werden Beckhoff zufolge belohnt, wenn sie kreativ neue Business-Modelle für Produktionssysteme entwickeln. Harting hat die Umsetzungsstrategien seiner Kunden analysiert und kann Beckhoffs Thesen nur bestätigen. Um mit Digitalisierungs-Projekten nachhaltig Erfolg zu erzielen, empfiehlt es sich demnach vor allem, nicht alles sofort erreichen zu wollen.

Daten sind das neue Öl

Ob die Entwicklung nun revolutionär oder evolutionär verläuft: Einig sind sich die Beteiligten darin, dass Daten die Grundlage rationellerer Prozesse bilden – und zwar alle Arten von Daten. Der Slogan ‚Daten sind das neue Öl‘ bezog sich ursprünglich auf ‚Big Data‘ bzw. die Speicherung und Verfügbarkeit von Konsumentendaten. Doch diese Charakterisierung lässt sich durchaus auf die Daten in der Industrie übertragen. Allerdings braucht man, um im Bild zu bleiben, auch für das ’neue Öl‘ weiterhin funktionsfähige Pipelines und andere Strukturelemente. Der Slogan beschreibt so nicht zuletzt die aktuelle Situation vieler Maschinen- und Anlagenbauer, die dabei sind, die Entstehung, Verarbeitung und Übertragung von Daten für ihre Produkte zu überarbeiten.

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Harting Stiftung & Co. KG (Holding)

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