Führend bei Export und Produktion in 2024

Bild: Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V.

„Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie sieht sich im internationalen Wettbewerb sehr gut aufgestellt – trotz der zahlreichen Herausforderungen“, sagt Franz-Xaver Bernhard, Vorsitzender des VDW auf der Jahrespressekonferenz des Verbands. Seit Jahrzehnten sind deutsche Hersteller führend in Produktion und Export. 2024 belegten sie in der Produktion Platz 2 hinter China und im Export Platz 1 gleichauf mit China. Auch in schwierigen Zeiten investieren sie stabil rund 3% ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Gut 50 Forschungsinstitute stehen an deutschen Hochschulen für gemeinsame Projekte zur Verfügung. Auch treiben die sehr gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrer hohen Leistungsbereitschaft die Branchenentwicklung voran. Bis November 2024 hat die Industrie ihre Beschäftigung noch leicht ausgebaut, auf rund 65.300 Mitarbeitende. „Auf diesem Fundament können die Unternehmen Nachfrageschwankungen gut bewältigen. Das haben sie in früheren Schwächephasen oft genug bewiesen“, sagt Bernhard.

Produktionsrückgang für 2025 erwartet

Die Krise in der Automobilindustrie sowie die Unsicherheiten in den beiden großen Abnehmermärkten USA und China belasten die Branche. Der Verbrauch von Werkzeugmaschinen ist 2024 im Hauptabnehmermarkt Europa um 18% gesunken. Dabei verloren die beiden größten Märkte Deutschland und Italien 12 bzw. 28%. China stagnierte, in den USA schrumpfte der Markt um 7%. In Deutschland ist die Produktion von Werkzeugmaschinen 2024 nach Schätzung von Oxford Economics, Prognosepartner des VDW, um 4% auf rund 14,8Mrd.€ gesunken. Ein Jahr zuvor konnte die Branche ihre Produktion in Deutschland hingegen noch um 9% auf 15,4Mrd.€ ausweiten. Ergänzend dazu wuchs der Output in den ausländischen Produktionsstätten überproportional um 13% auf 3,8Mrd.€. Er machte damit ein Viertel der globalen Maschinenproduktion deutscher Hersteller aus. Der Export sank bis Oktober 2024 um 5%. Innerhalb der Triade war Europa mit 16% stark rückläufig. Amerika positionierte sich dagegen mit einem Plus von 17% eindeutig als das Zugpferd. Die USA überholten nach langer Zeit China als wichtigsten Absatzmarkt und legten um ein Fünftel zu. Die Ausfuhren nach China als zweitgrößtem Abnehmer sanken dagegen um 12%. Indien positioniert sich als mittlerweile sechstgrößter Absatzmarkt. Die Ausfuhren stiegen um 36%. Auch aufgrund eines guten Exportgeschäfts mit Südkorea hielt sich Asien als Region damit fast auf Vorjahresniveau.

Generell soll sich das konjunkturelle Umfeld 2025 mit sinkenden Zinsen, einer Normalisierung der Inflation und einer Belebung des Privatkonsums wieder ein wenig verbessern. Der Auftragseingang, Frühindikator für die weitere Entwicklung, ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken, bis November um 22%. Am aktuellen Rand deutet sich allerdings eine Bodenbildung an. Das Inland verlor ein Zehntel, das Ausland hingegen mit 27% Minus fast dreimal so viel. Der Rückgang verteilt sich auf die gesamte Triade. Auch wenn sich die Nachfrage nach Werkzeugmaschinen stabilisiert und sich die Rahmenbedingungen etwas verbessern, wird die Produktion deutlich zurückgehen. Der VDW erwartet ein Minus von 10% auf dann 13,3Mrd.€.

USA und China bleiben wichtige Märkte

Die USA sind der größte Kunde mit einem Anteil von rund einem Fünftel. Die Ausfuhren sind in den vergangenen beiden Jahren um über 30% angestiegen. Die aktuelle Nachfrageschwäche im zweitgrößten Markt China mit einem Anteil von 16% an den deutschen Exporten ist gekennzeichnet durch Überkapazitäten in der Industrie, Deflation, Zurückhaltung im Konsum und sinkende Investitionen in traditionelle Industrien. Zusammen mit Maßnahmen zur Stützung des Konsums könnten sich im laufenden Jahr in China daraus wieder erste Impulse ergeben. Für die deutschen Hersteller ist das Land der größte ausländische Produktionsstandort. „Um bestehen zu können, müssen die deutschen Hersteller ihren technologischen Vorsprung jedoch konsequent durch Innovationen sichern und weiter ausbauen“, so VDW-Vorsitzender Bernhard.

Märkte mit Potenzial

Indien wird schon länger als Markt mit großem Zukunftspotenzial gehandelt. Die deutschen Werkzeugmaschinenexporte sind in den vergangenen beiden Jahren sehr kräftig um über 60% gewachsen. Insbesondere die größte Industriebranche Metallerzeugung- und -bearbeitung plant bis 2030 hohe Erweiterungsinvestitionen. Im Ausbau befindet sich auch die Automobilindustrie. Indien ist mittlerweile weltweit das viertgrößte Herstellerland. Auch der Maschinenbau spielt als Abnehmer eine wichtige Rolle. Vor Ort werden vor allem Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, Bau- und Bergbaumaschinen, Kraftwerkstechnik sowie Kunststoffmaschinen hergestellt. Die Energiewirtschaft setzt auch hier auf regenerative Energien. Die kleineren Märkte Südostasiens, Thailand, Malaysia, Vietnam und Indonesien bieten ebenfalls Potenzial. Sie nehmen zwar nur ca. 1,5% der deutschen Ausfuhren auf. Verstärkte Anstrengungen lohnen sich dennoch, weil sich internationale Konzerne in diesen Ländern engagieren, auch als Standortalternative zu China. Damit steigt die Nachfrage nach höherwertiger, modernster Fertigungstechnik. Allerdings ist der Wettbewerb mit Japan, China und anderen asiatischen Herstellern in deren Heimatregion groß.

Neue Kunden brauchen neue Lösungen

Der Transformationsprozess in der Automobilindustrie vom Verbrenner zum Elektroantrieb mit der aktuell sehr holprigen Entwicklung motiviert die Werkzeugmaschinenhersteller, andere Abnehmerbranchen zu erschließen. „Dass der Transformationsprozess ohne Strukturveränderungen bei den Zulieferern und Ausrüstern abläuft, war nicht zu erwarten“, sagt Bernhard. Entsprechend hat die Branche den Anteil ihrer Lieferungen in die Automobil- und Zulieferindustrie bereits verringert. In der VDW-Kundenstrukturerhebung für 2023 gingen noch 27,2% der Produktion in die Fahrzeugindustrie statt 31,1% zwei Jahre zuvor. Nunmehr steht der Maschinenbau mit 30,1% an der Spitze der wichtigen Abnehmer.

Auch andere Branchen gewinnen an Bedeutung, es entwickeln sich neue Geschäftsfelder. Die Luftfahrtindustrie investiert in verbrauchsärmere Flotten. In einer älter werdenden Gesellschaft spielt die Medizintechnik eine immer größere Rolle. Die Energiewende führt zu Investitionen in Windkraft, Solarenergie, Wasserstofftechnik, Kohlenstoffabscheidung und -lagerung sowie Wärmepumpen. Und die stark zunehmende Digitalisierung und Vernetzung stärkt die Elektronikindustrie, beispielsweise mit der Produktion hochmoderner Chips oder dem Ausbau von Serverfarmen. Die Diversifizierung in neue Kundengruppen benötigt eine Anpassung des Lösungsangebots. Hier können die Firmen ihre ganzen Stärken ausspielen. Treiber für die moderne Fertigungstechnik sind Automatisierung und Digitalisierung, verstärkt durch den Arbeitskräftemangel, aber auch die Nachhaltigkeit.