Interview mit Oliver Schleicher, Geschäftsführer bei CEDS Duradrive
Keine Katalogware!
In Zeiten von sehr speziellen Anforderungen und einer zunehmenden Variantenvielfalt liegen individualisierte und kundenspezifische Antriebslösungen voll im Trend. Darauf spezialisiert hat man sich schon vor Jahrzehnten bei CEDS Duradrive. Doch damit nicht genug. Geschäftsführer Oliver Schleicher hat Großes vor und will Geschäft wie Portfolio deutlich ausbauen. Das SPS-MAGAZIN hat mit ihm über seine Pläne und die nächsten Schritte gesprochen.

Herr Schleicher, CEDS Duradrive positioniert sich als Anbieter von individuellen Antriebskomponenten und Lösungen. Was heißt das konkret?

Oliver Schleicher: Wenn Anwender vor Herausforderungen stehen, die über die Möglichkeiten von Standardlösungen hinausgehen, dann sind wir der richtige Ansprechpartner. Diesen Schwerpunkt legt CEDS – 2009 aus der Firma SSB Antriebstechnik hervorgegangen – bereits seit 50 Jahren. Mit einem Angebotsspektrum, das von Synchron- und Asynchron-, Servo- und Torquemotoren über Motor/Getriebe-Einheiten bis hin zu Bausätzen oder kompletten Modulen für den Antriebsstrang reicht. Und das von Losgröße 1 bis etwa 1.000 Stück. Kunden profitieren zudem von unserer sehr hohen Fertigungstiefe im Werk in Salzbergen sowie von einer sehr langen Lieferfähigkeit der individuellen Lösungen.

Wo liegt denn der Unterschied zu den Baukastensystemen klassischer Antriebsanbieter?

Schleicher: Unser Geschäftsmodell unterscheidet sich gravierend! Denn bei CEDS Duradrive gibt es keine Katalogware. Vielmehr setzen wir mit unseren Technologieplattformen auf einen grenzenlosen Baukasten. Außerdem verkaufen wir dem Kunden nicht nur ein Produkt, sondern stehen ihm als echter Partner zur Seite. Wir beraten ihn und besprechen die jeweilige Applikation bis ins Detail. Wir bringen unser Knowhow und unsere Erfahrung ein. Und wir entwickeln dann darauf aufbauend gemeinsam die passende Antriebslösung. Das geht so weit, dass wir mit Kunden über ganz neue Maschinenkonzepte und die dafür nötige Technik philosophieren, die technologische Umsetzbarkeit prüfen, einen Proof of Concept erstellen und dann die konkrete technische Lösung ableiten. Die Prototypenentwicklung, ausgiebige Testphasen und gegebenenfalls weitere Anpassungen gehören ebenfalls zum Leistungsspektrum.

Das klingt aufwändig.

Schleicher: Schon. Aber auf diese Weise können wir das bestmögliche Produkt anbieten. Damit differenzieren wir uns dann ganz deutlich vom Portfolio der großen Antriebshersteller. Folglich ist auch unser Vertrieb entsprechend technisch ausgebildet, um dem Kunden bei sehr anspruchsvollen Entwicklungen auf Augenhöhe begegnen zu können.

Wie breit ist denn das Spektrum an Anwendungen im Maschinenbau, die so exakt zugeschnittene Lösungen wirklich brauchen?

Schleicher: Wir kommen mit unseren Lösungen selten ins Standard-Seriengeschäft der Maschinenbauer. Ausnahmen gibt es natürlich, z.B. wenn wir den kompletten Antriebsstrang übernehmen. Normalerweise kommt CEDS ins Spiel, wenn der Maschinenbauer mit Kataloglösungen eben nicht weiter kommt. Dann fangen wir an. Manchmal wird daraus ein Seriengeschäft für uns. Oft stellen wir einen Motor aber auch wirklich nur ein Mal her.

Wie stellt sich ein solches Projekt auf der Zeitschiene dar?

Schleicher: Hier wirken sich natürlich verschiedene Faktoren aus. Wie stark unterscheidet sich der benötigte Motor konstruktiv von der Norm? Haben wir schon mal einen ähnlichen Motor realisiert? Oder betreten wir wirklich Neuland? Durchschnittlich gehen bei einer Neuentwicklung von der ersten Besprechung bis zum fertigen Prototypen nur 16 Wochen ins Land. Es geht also sehr fix. Je mehr Erfahrungen wir einbringen können, desto mehr lässt sich dieser Prozess nochmals beschleunigen.

Welche Märkte beliefern Sie mit solchen Lösungen?

Schleicher: Zum einen richten wir uns an den klassischen Maschinen- und Anlagenbau. Hier unterscheiden wir zwischen verschiedenen Segmenten wie Werkzeugmaschinen, Food&Beverage oder Intralogistik. Darüber hinaus reicht unser Zielspektrum von der Energietechnik, über explosionsgefährdete Bereiche bis zu maritimen Applikationen oder Krananlagen. Ein deutlich wachsender Bereich sind so genannte Green Drive Solutions. Also Lösungen, die stark zu einer besseren Ökobilanz und mehr Nachhaltigkeit beitragen, z.B. Wasserstoffgeneratoren, Hybridantriebe oder elektrifizierte Aggregate in Nutzfahrzeugen. Hier stoßen wir auf unsere Wurzeln. Denn das Unternehmen kommt ursprünglich aus der Windkraft, genauer gesagt aus dem Bereich der Pitch-Motoren für die Verstellung von Rotorblättern. Von daher kennen wir uns im Themenbereich Nachhaltigkeit bereits gut aus.

Fokussiert sich CEDS Duradrive auf bestimmte Leistungsklassen?

Schleicher: Eigentlich nicht. Die reine KW-Zahl ist meist nur einer von vielen spezifischen Wünschen des Kunden. Los geht es ab Leistungen von unter 1kW. Eine Obergrenze setzen dann nur die Dimensionen des Motors. Aber eines unserer aktuellen Projekte, bei dem wir einen Motor mit 750kW bauen, zeigt, dass wir durchaus in Leistungsbereiche größer 1MW gehen können.

Und wie sieht es mit der Leistungselektronik aus? Bekommt der Kunde diese auch von Ihnen?

Schleicher: Wir arbeiten hier bisher mit Partnern zusammen, wollen in den Technologiebereich der Leistungs- und Regelungselektronik aber noch stärker hineinwachsen. Entweder weiterhin über Partner. Oder indem wir das eigene Knowhow ausbauen. Das machen wir bei Bedarf ja schon projektspezifisch. Folglich wäre hier auch eine Akquisition denkbar. Da wir Getriebe schließlich auch selbst fertigen, ist es durchaus ein Ziel, gesamte Antriebsstränge aus eigener Fertigung anbieten zu können.

Welche weiteren Ziele haben Sie sich als Geschäftsführer auf die Fahnen geschrieben?

Schleicher: Neben Ansgar Voss, dem kaufmännischen Geschäftsführer, sehe ich mich in der Doppelspitze des Unternehmens quasi als Außenminister. Mit den Hauptaufgaben Vertrieb und Marketing und strategischer Entwicklung bin ich also für den Ausbau des Geschäfts zuständig. In der doch überschaubaren Zeit, seit ich an Bord bin, habe ich den Vertrieb nach einem omnichannel Modell neu strukturiert. Omnichannel kann als Weiterentwicklung von Cross- und Multichannel verstanden werden und stellt den Kunden in den Mittelpunkt aller Unternehmensaktivitäten. Ein weiteres Ziel ist die stärkere Internationalisierung von CEDS Duradrive. Wir beliefern heute aus Salzbergen in die ganze Welt, brauchen aber lokale Niederlassungen und Leute – z.B. um die Aktivitäten in China auszubauen. Auch über regionale Servicestandorte denken wir nach. Last but not least beschäftige ich mich natürlich stark mit der künftigen technologischen Ausrichtung des Unternehmens. Hier liegt ein Schwerpunkt auf den bereits genannten Green Drive Solutions und die technologische Weiterentwicklung zu. ’smarten‘ Motor. Ein weiterer liegt auf dem Ausbau des Support- und Serviceangebots.

Wie beeinflusst die Digitalisierung Ihr Portfolio und Ihre Antriebslösungen?

Schleicher: Digitalisierung und IIoT sind wichtige Themen für uns. Denn Motoren werden immer smarter – durch moderne Sensorik oder stärkere Vernetzung. Damit bilden sie Basis für viele Analytics- und Cloudlösungen in der Fertigungsindustrie, z.B. für vorausschauende Wartungskonzepte. Deshalb treiben wir in der eigenen Entwicklung die Möglichkeiten der motorintegrierten Sensorik stark voran. Auch IoT-Gateways stehen auf der Liste. Doch um das Potenzial des industriellen IoTs bestmöglich zu nutzen, muss man es ganzheitlich auf den Weg bringen. Das funktioniert nur zusammen mit Kunden und Partnern.

Wir haben mehrmals das Thema Nachhaltigkeit gestreift. Wie ernstzunehmend ist dieser Trend, Herr Schleicher?

Schleicher: Aus unserer Sicht sehr ernstzunehmend – und ein Wachstumstreiber in doppelter Hinsicht. Zum einen stellen wir extrem hohe Ansprüche an die eigenen Umweltstandards und den Umgang mit Ressourcen. Das wissen unserer Kunden sehr zu schätzen. Zum anderen tragen wir mit unseren Antriebslösungen signifikant dazu bei, den Energieverbrauch von Anlagen zu senken – während die Laufzeit gleichzeitig nach oben geht. Wer, wenn nicht CEDS Duradrive als Motorenbauer, könnte die Branche also besser unterstützen. Man diskutiert ja längst nicht mehr über IE2 und IE3, sondern bereits über IE4 und sogar IE5. Entsprechend weit oben steht die Effizienz auf unserer Agenda, denn wir wollen unseren Kunden ja auch hier die besten Lösungen bieten.

Gibt es denn bereits IE5-Motoren aus Ihrem Hause?

Schleicher: Auch hier halten wir es gemäß unseres kundenspezifischen Credos: Wenn der Kunde den Bedarf hat, dann entwickeln wir einen Motor in dieser Effizienzklasse – keine Frage! Das ist zwar noch nicht allzu oft der Fall. Aber der Stellenwert effizienter Antriebslösungen steigt in der Branche kontinuierlich. Insgesamt prägen die gesellschaftlich relevanten Themen wie Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit die Industrie immer stärker. Also müssen wir uns als Anbieter entsprechend ausrichten, dürfen dabei aber unsere Kernkompetenz nicht aus dem Blick verlieren. Das bedeutet: Wir bleiben der richtige Partner für individuelle Antriebslösungen. Wenn wir uns mit dieser Stärke noch etwas breiter aufstellen – technologisch wie marktseitig – dann sind wir für die Zukunft bestens gerüstet.

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