
Künstliche Intelligenz verändert die Inhalte und Lehrmethoden der Ingenieurausbildung mit hoher Geschwindigkeit. Das zeigt eine Hochschulbefragung, an der sich 315 Lehrende der Ingenieurwissenschaften beteiligt haben. Die vom Forschungsinstitut FIR an der RWTH Aachen im Auftrag der Impuls-Stiftung des VDMA durchgeführte Befragung verdeutlicht: KI ist in der Lehre bereits breit angekommen. Gut 8 von 10 Lehrenden nutzen KI-Werkzeuge. Besonders häufig kommen die Anwendungen bei der Informationsrecherche, der eigenen Weiterbildung sowie bei der Erstellung von Lehrmaterialien zum Einsatz. Gleichzeitig beschäftigen sich 77% der Befragten aus eigenem Antrieb mit KI.
Die Befragung zeigt zugleich, dass die strategische, curriculare und organisatorische Verankerung von KI an den Hochschulen mit dieser Entwicklung vielfach noch nicht Schritt hält. Während 66% der Lehrenden KI-Kompetenzen ausdrücklich in Curricula verankern möchten, sehen lediglich 19% diese bereits sichtbar in den Modulhandbüchern ihrer Studiengänge abgebildet. Modulhandbücher legen fest, was Studierende lernen sollen, wie gelehrt wird und wie die Leistungen geprüft werden. Zudem erkennen 54% keine klare strategische Richtung ihrer Hochschule für den Umgang mit KI in Studium und Lehre. Damit fehlt vielerorts noch der institutionelle Rahmen für eine nachhaltige Integration von KI.
Praxis und Curricula driften auseinander
82% der Lehrenden erwarten, dass sich die beruflichen Aufgaben in ihren Fachgebieten durch KI grundlegend verändern werden. Rund die Hälfte der Befragten nimmt bereits heute eine Lücke zwischen den Anforderungen der Berufspraxis und den Inhalten der Hochschullehre wahr. 61% wünschen sich deshalb, dass Studierende deutlich häufiger mit realitätsnahen KI-Anwendungsfällen aus Unternehmen arbeiten.
Die Befragung macht deutlich, dass KI auch grundlegende Fragen von Lernen und Prüfen aufwirft. Nahezu alle Lehrenden sehen einen reflektierten und verantwortungsvollen Umgang mit KI als wichtiges Ausbildungsziel. Gleichzeitig befürchten 88%, dass KI ohne geeignete didaktische Begleitung zu oberflächlicherem Lernen beitragen kann. Drei Viertel der Befragten sehen zudem Risiken für die eigenständige Problemlösefähigkeit von Studierenden.
Besonders groß ist der Veränderungsdruck im Prüfungswesen. 78% der Lehrenden halten Anpassungen bestehender Prüfungsformate für erforderlich. Mehr als die Hälfte berichtet bereits von zunehmenden Schwierigkeiten bei der fairen Bewertung studentischer Eigenleistungen. Gleichzeitig kommunizieren 4 von 5 Lehrenden eigene Regeln für den Einsatz von KI in Prüfungen, müssen die vorherrschende Regelungslücke also selbst schließen.
Klare Rahmenbedingungen schaffen
„Die Integration von KI wird derzeit vor allem von Motivation und Engagement einzelner Lehrender getragen“, betont Regina Schrank, Leiterin des Forschungsbereichs Dienstleistungsmanagement des FIR an der RWTH Aachen und Mitglied des Studienteams. „Damit daraus ein tragfähiges System werden kann, sind Hochschulleitungen, Fakultäten und Lehrende gefordert, klare Strategien und Leitlinien zu entwickeln, Qualifizierung und zeitliche Ressourcen bereitzustellen, Prüfungsformate weiterzuentwickeln und KI-Kompetenzen curricular zu verankern.“
Gleichzeitig besteht ausweislich der Befragung erheblicher Qualifizierungsbedarf: Zwar trauen sich knapp 83% der Lehrenden zu, Fehler von KI-Systemen einzuschätzen, jedoch lediglich 54% fühlen sich im praktischen Umgang mit den Werkzeugen sicher. Die Studie zeigt: Wer nur eine Fortbildung besucht hat, berichtet von mehr Unsicherheit als Lehrende ganz ohne Fortbildung. Erst bei mehrfacher Teilnahme an Fort- und Weiterbildung im Bereich KI sinkt die Unsicherheit deutlich und erst dann liegen auch KI-Kompetenz und Motivation spürbar höher.















