Formel 1 und Go-Kart

Die Auszubildenden arbeiten nicht nur mit dem ProfiTrainer, die Trainingsmaschinen selbst entstehen in der Lernfabrik auch komplett aus Azubi-Hand. Alle Teile werden von Azubis entwickelt, produziert und montiert und jede Nachwuchskraft ist im Rahmen ihrer Ausbildung an deren Entstehung beteiligt. Gerade über diesen Prozess werden die jungen Mitarbeiter an den Aufbau, aber auch die Bedienung und Programmierung von Werkzeugmaschinen herangeführt. „Der ProfiTrainer ist also das Endprodukt unseres Qualifizierungsprozesses“, bringt es Werner Kirsten auf den Punkt. „Wenn die Heller-Maschine das Formel 1-Auto unter den Werkzeugmaschinen ist, dann ist der ProfiTrainer sozusagen das Go-Kart, mit dem man den Nachwuchs auf die echten Rennen vorbereitet.“

Kraftpaket für das Spannen und Lösen

In der Trainings-CNC kommen ausschließlich industrietaugliche Komponenten zum Einsatz. Dazu gehört auch ein Antriebssystem aus dem Hause Faulhaber, das für das elektromechanische Spannen und Lösen der jeweilige Werkzeuge mit der Spannzange verantwortlich ist (siehe Kasten). Dafür stellt es eine Kraft von rund 1kN zur Verfügung. Dadurch ist das Risiko schwerer Verletzungen beim ProfiTrainer ausgeschlossen, im Gegensatz zu echten CNC-Spannsystemen, die Kräfte zwischen 22 bis 60kN erreichen. Damit der ProfiTrainer auch ohne entsprechende Industrieanschlüsse einsetzbar ist, lässt er sich über einen Standard-230V-Anschluss mit Energie versorgen. Zudem wird auf Pneumatik und Hydraulik verzichtet. „Dem Trend hin zur Elektromechanik wird sich die Werkzeugmaschinenindustrie in Zukunft immer öfter stellen müssen“, blickt Kirsten voraus. „Unsere Azubis haben diesen Technologiewandel im ProfiTrainer bereits umgesetzt.“

Lernaspekt im Vordergrund

Bei Heller lernen Auszubildende – Stichwort Lösungskompetenz – auch die gesamten Anforderungen rund um die Montage herum kennen: Prozesse bei Wareneingang, Intralogistik und Lagerhaltung, notwendige Änderungen der Stücklisten, EMV-Prüfung, CE-Dokumentation, Risikobeurteilung, und, und, und. „So vermitteln wir unseren Nachwuchskräften Berufspraxis am lebenden Objekt“, betont Kirsten. Ursprünglich lag die geplante Stückzahl an ProfiTrainern bei zehn Maschinen pro Jahr. „Das ließe sich heute – verteilt über unsere Standorte – theoretisch beliebig skalieren“, fährt Kirsten fort. Dennoch vertreibt Heller die Lehrmaschine aktuell nicht aktiv. „Unser mittelfristiges Ziel ist es, dass jeder Auszubildende während seiner Lehre in Summe einen ProfiTrainer zusammenbaut.“ So könne man am besten sicherstellen, dass fachbereichsübergreifend alle Themen rund um moderne Werkzeugmaschinen vermittelt wurden. Bedingung sei aber, dass man die wachsende Zahl der Maschinen mitsamt des passenden didaktischen Konzepts auch vertreiben kann. Stand heute ist das hauseigene Trainingszentrum von Heller Academy, in dem jährlich rund 1.800 Kunden und Anwender in den Bereichen Bedienung, Programmierung oder Instandhaltung geschult werden, der größte Abnehmer der Bildungsmaschinen. „Wir haben aber auch Partner, die den ProfiTrainer als Entwicklungsprototypen oder für Ausbildungs- oder Qualifizierungszwecke nutzen“, erklärt Kirsten. Insgesamt stehe jedoch ganz klar der Lernaspekt im Vordergrund.

Simulation und Miniaturisierung

Das Projekt der Ausbildungs-CNC an sich ist zwar fertig, in der Lehr- und Lernfabrik sorgt Werner Kirsten aber immer wieder für entsprechende Anschlussprojekte. So hat der Fachkräftenachwuchs im Sinne moderner Simulationsmöglichkeiten u.a. auch schon einen virtuellen Zwilling der Maschine erstellt. Weiterhin ist unter dem Namen MYO (Make Your Own) ein funktionales CNC-Baukastensystem entstanden. Es ist für Qualifizierung und Ausbildung abseits von Produktionsumgebungen konzipiert. Mechanik, Antriebstechnik und Schalttechnik sorgen dabei für die fünfachsige Grundfunktionalität, die Kopplung ans Smartphone ist möglich.

In der Hand des Nachwuchses

Durch neue Ansätze und Projekte wie die genannten Beispiele will Heller das Ausbildungsspektrum in der Lehr- und Lernfabrik kontinuierlich erweitern. So erleben und gestalten Nachwuchskräfte im Unternehmen immer umfassender die große Prozesswelt des Maschinenbaus. Langfristiges Ziel sei eine intelligente Fabrik, ausgelegt auf Wandlungsfähigkeit, Ressourceneffizienz, ergonomische Gestaltung sowie enge Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern. „Meine Aufgabe ist es eigentlich nur, immer wieder kritische Fragen zu stellen“, resümiert Kirsten. „Alles andere liegt in den Händen der Auszubildenden.“ (mby) n Das verbaute Antriebssystem von Faulhaber

Für den im ProfiTrainer eingesetzten Faulhaber-Antrieb werden Hammerbürsten aus Metallgraphit und mehrteilige Kupferkommutatoren verwendet. So erzielen diese Motoren mit großer Leistung auch bei extremer Belastung hohe Lebensdauerwerte. Die Motoren mit Graphitbürsten sind erhältlich von 13 bis 38mm Durchmesser. Sie werden werden ergänzt durch eine umfangreiche Auswahl an Standardkomponenten wie hochauflösende Encoder, Präzisionsgetriebe und Steuerungen. Zudem ist Faulhaber spezialisiert auf die Modifikation der Antriebe für die besonderen Anforderungen der jeweiligen Kundenapplikationen. Zu den gängigen Anpassungen zählen Vakuumtauglichkeit, Erweiterungen des Temperaturbereichs, modifizierte Wellen, zusätzliche Spannungstypen oder kundenspezifische Anschlüsse und Stecker. Einsatzgebiete finden sich in Automatisierung und Robotik, in der Luft- und Raumfahrt, in optischen Systeme sowie in der Medizin oder Labortechnik. Als Anbieter von hochpräzisen Miniatur- und Mikroantriebssystemen ist das Unternehmen Faulhaber weltweit tätig.