Fischer setzt auf Lern-App statt Lehrbuch

Bojan Morlok (links) und Nick Darif sind Auszubildende zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik. Sie freuen sich über den Einsatz der Lern-App Simpleclub in ihrer Lehrwerkstatt.
Bojan Morlok (links) und Nick Darif sind Auszubildende zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik. Sie freuen sich über den Einsatz der Lern-App Simpleclub in ihrer Lehrwerkstatt. Bild: Fischerwerke GmbH & Co. KG/Simpleclub

Die Unternehmensgruppe Fischer geht in der Ausbildung neue Wege: Statt ausschließlich auf klassische Lehrbücher zu setzen, nutzt das Unternehmen in der kaufmännischen und technischen Ausbildung die Lernplattform Simpleclub.

„Besonders Auszubildende ohne Vorkenntnisse profitieren enorm vom digitalen Ansatz“, sagt Benjamin Schneider, Leiter der technischen Ausbildung bei Fischer. Früher musste gewartet werden, bis alle das gleiche Kapitel durchgearbeitet hatten – erst dann waren gemeinsame Tests möglich. Heute lernen die sogenannten Future Talents in ihrem eigenen Tempo und können ihren individuellen Lernfortschritt laufend überprüfen. „Das visuelle Format der Inhalte entspricht zudem den Sehgewohnheiten unserer Zielgruppe“, so Schneider.

Diese Zielgruppenorientierung zieht sich durch die gesamte Ausbildung bei Fischer. Maren Klein, die als Ausbildungsleiterin den ganzheitlichen Ansatz verantwortet, betont: „Wir fördern unsere Auszubildenden sehr individuell. Jede und jeder gestaltet den eigenen Einsatzplan aktiv mit – und das spiegelt sich auch in der Art zu lernen wider. Mit Simpleclub können wir auf unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten und Bedürfnisse ideal eingehen.“

Simpleclub spannt den Bogen zwischen Theorie und Praxis und kommt bei den FutureTalents der Unternehmensgruppe Fischer sehr gut an.
Simpleclub spannt den Bogen zwischen Theorie und Praxis und kommt bei den FutureTalents der Unternehmensgruppe Fischer sehr gut an. Bild: Fischerwerke GmbH & Co. KG/Simpleclub

Vom Übungswerk zur Echtzeit-Auswertung

Für Benjamin Strohäker, Leiter der kaufmännischen Ausbildung, bietet Simpleclub vor allem einen strategischen Vorteil: die Brücke zwischen betrieblichem Lernen, Berufsschule und Studium. „Unsere Auszubildenden stimmen Lerninhalte direkt mit ihren Lehrkräften ab – z.B. vor Klausuren“, erklärt Strohäker. Die Lernplattform zeigt dabei nicht nur die behandelten Themen, sondern auch, wo Lernlücken bestehen. „Online-Tests, automatisierte Auswertungen und eine unmittelbare Rückmeldung – das sind Dinge, die im klassischen Unterricht so kaum umsetzbar wären.“

Einmal im Monat stimmen sich Strohäker und Schneider direkt mit dem Team von Simpleclub ab, um Lerninhalte auf die spezifischen Anforderungen bei Fischer zuzuschneiden. So entstehen passgenaue Animationen und Videos, die nicht nur die Theorie erklären, sondern direkt auf reale Arbeitssituationen Bezug nehmen – etwa bei technischen Bauteilen oder typischen Werkbanktätigkeiten wie dem Feilen.

Lernen mit und über KI

Dass Digitalisierung bei Fischer nicht bei der Lernplattform endet, zeigt auch das Engagement der Auszubildenden selbst: In unternehmenseigenen Digitalprojekten arbeiten sie an KI-Anwendungen, werden zu ‚KI-Scouts‘ weitergebildet und bringen ihre Expertise ins Unternehmen ein. Die Ausbildung wird so zum Innovationsmotor, auch dank der Zusammenarbeit mit einem HR-Tech-Unternehmen, das selbst die Bildungszukunft mitgestaltet.

„Wir erleben gerade eine Zeitenwende in der Ausbildung“, sagt Alexander Giesecke, Mitgründer und Geschäftsführer von Simpleclub. „Gerade in technischen Berufen geht es nicht mehr nur darum, Wissen zu vermitteln, sondern darum, junge Menschen dazu zu befähigen, in einer sich radikal wandelnden Arbeitswelt selbstständig, digital und lösungsorientiert zu denken.“ Dafür entwickelt Simpleclub eigene KI-gestützte Systeme, etwa zur automatischen Bewertung von Freitextaufgaben oder zur individuellen Lernpfadgestaltung – basierend auf realen Lernverläufen.

„Wir wollen nicht, dass Ausbilder und Ausbilderinnen sich mit der KI beschäftigen müssen“, so Giesecke weiter. „Sie sollen einfach sehen: Mein Auszubildender hat verstanden, was eine Spannungsquelle macht und ich kann mich auf das praktische Vermitteln konzentrieren. Gleichzeitig entlastet unsere Lösung Unternehmen spürbar, personell wie finanziell.“