
Herr Dr. Georg Wünsch, was ist iPhysics und wie beschreiben Sie den Nutzen des Systems bei der virtuellen Inbetriebnahme?
Georg Wünsch: iPhysics ist eine Simulationssoftware, die speziell für die virtuelle Inbetriebnahme von Maschinen und Anlagen entwickelt wurde. Der Mehrwert liegt darin, dass Unternehmen bereits in der Planungsphase und vor der physischen Inbetriebnahme realitätsnahe Tests und Optimierungen durchführen können. Das spart nicht nur Zeit und Geld, sondern reduziert auch Risiken. Insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau erkennen immer mehr Unternehmen die Vorteile der VIBN. Trotzdem gibt es noch einige, die den Aufwand scheuen oder die Notwendigkeit nicht sehen. Dabei zeigen Beispiele, dass durchgängige VIBN-Lösungen enormes Potenzial bieten. Ein mittelständisches Unternehmen könnte so beispielsweise Einsparungen in Millionenhöhe jährlich realisieren.

Warum ist gerade jetzt ein guter Zeitpunkt, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen?
Die aktuelle Wirtschaftslage ist eine ideale Gelegenheit, um solche Technologien voranzutreiben. Wenn die Konjunktur wieder anzieht, sind dann solche Unternehmen optimal vorbereitet. Sie können dann schneller und effizienter agieren, was gerade in weltweit wettbewerbsintensiven Märkten entscheidend sein kann.
Sie haben auf der SPS 2024 iPhysics in der Cloud präsentiert. Was ist daran neu?

Simulation erfordert immense Rechenkapazitäten, vor allem bei komplexen Anlagen. Je größer und detaillierter die Simulation, desto höher die Anforderungen an die Hardware. Machineering bietet zwar leistungsstarke Hardware an, aber bei internationaler Zusammenarbeit – etwa bei VIBN-Projekten oder Anwenderschulungen am digitalen Zwilling mit Anbindung an echte Steuerungstechnik – stoßen auch wir an Grenzen. Daher war es uns ein Anliegen, im Rahmen der Digitalisierung cloudbasierte Simulationsanwendungen zu entwickeln. Die Cloud ermöglicht uns, auf sehr hohe Rechenkapazitäten zuzugreifen und gleichzeitig eine flexible, standortübergreifende Nutzung zu gewährleisten.
Wird Machineering künftig alles in der Cloud simulieren?
Noch nicht sofort. Auf der SPS 2024 haben wir einen Prototypen vorgestellt, bei dem erst einmal 20 umfangreiche Simulationsmodelle gleichzeitig in unserem Rechenzentrum gerechnet und live auf die Messe gestreamt wurden – mit beeindruckenden Ergebnissen. Nicht nur die Modelle liefen in der Cloud, sondern auch die verbundenen CAD-Systeme, Roboter- und PLC-Controller – alles in Echtzeit. Anwender können dabei flexibel entscheiden, ob sie die Cloud-Infrastruktur selbst hosten oder auf Dienste von Cloud-Anbietern zurückgreifen möchten. Unser Ziel ist es, iPhysics in der Cloud zur Marktreife zu bringen und unseren Kunden zugänglich zu machen. Die Nachfrage auf der Messe hat deutlich gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Was bringt die Kombination aus Cloud und Simulation?
Der größte Mehrwert zeigt sich in der globalen Zusammenarbeit und in der Schulung. Unternehmen mit mehreren Standorten können zentral auf die gleichen Simulationsmodelle zugreifen, unabhängig von der jeweiligen Hardware vor Ort. Auch für Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, die häufig umfangreiche Berechnungen durchführen müssen, ist die Cloud ein Meilenstein. Ein typischer Anwendungsfall ist auch das Operator Training, bei dem Mitarbeiter an einem digitalen Zwilling geschult werden, der mit der realen Steuerungstechnik verbunden ist. Unternehmen können Schulungen zentral organisieren und diesen an allen Standorten nutzen. Die Teilnehmer greifen einfach über einen Webbrowser auf die Simulationsumgebung zu, ohne dass spezielle Hardware benötigt wird. Dadurch wird die Organisation von Trainings wesentlich einfacher und kosteneffizienter und kann parallel zur Inbetriebnahme erfolgen.
Was erwarten Sie in Zukunft von der Cloud-Simulation?
Ich sehe die Cloud-Simulation als integralen Bestandteil einer modernen, weltweit verfügbaren, digitalen Infrastruktur. In Zukunft wird es so sein, dass jeder Beteiligte seinen Teil direkt in das Simulationsmodell einbringt – mit sofortiger Umsetzbarkeit und Validierung. Dieses Vorgehen wird das Denken in Projekten grundlegend verändern. Es bleibt spannend, welche Neuerungen uns in den nächsten Jahren noch erwarten!


















