Anlagen-Nachfrage aus dem Ausland weiter im Aufwind

Der Auftragseingang im Großanlagenbau bleibt insgesamt stabil.
Der Auftragseingang im Großanlagenbau bleibt insgesamt stabil. Bild: VDMA e.V.

Der Großanlagenbau hat sich 2025 in einem schwierigen Marktumfeld behauptet. Die Auftragseingänge der VDMA-Mitgliedsunternehmen in Deutschland und Österreich erreichten 24,7Mrd.€ und lagen damit nur leicht unter dem Vorjahreswert von 25,1Mrd.€.

„Hinter dieser robusten Bilanz stehen jedoch deutliche Branchenunterschiede: Während die Nachfrage nach Kraftwerken und Energieübertragungsanlagen weiter zunahm, entwickelte sich das Projektgeschäft in den Prozessindustrien verhaltener“, erläuterte Serkan ?en, Vorsitzender des VDMA-Großanlagenbaus und CFO von Linde Engineering. „Besonders Anbieter von Chemieanlagen, Hütten- und Walzwerken sowie Zementanlagen verzeichneten rückläufige Bestellungen.“

Investitionsschwäche in Deutschland, Auslandsgeschäft im Aufwind

Die Bestellungen aus Deutschland gingen im Berichtsjahr um 34% auf 3,9Mrd.€ (2024: 6Mrd.€) zurück und lagen damit auch unter dem Durchschnitt der vergangenen Dekade. Eine nachhaltige Aufwärtsdynamik sei derzeit nicht erkennbar, so ?en. Die Auftragseingänge aus dem Ausland stiegen dagegen auf 20,8Mrd.€ (2024: 19,1Mrd.€) – der höchste Wert seit 2008. Die USA waren 2025 mit 3,7Mrd.€ (2024: 1,8Mrd.€) zum vierten Mal in Folge der wichtigste Auslandsmarkt. Denn trotz der spürbar belastenden US-Zollpolitik tragen die Projekte im Großanlagenbau zur notwendigen Modernisierung der Infrastruktur in den Vereinigten Staaten bei.

In Europa erwiesen sich insbesondere Großbritannien, Polen und Schweden als Wachstumsmotoren. In Asien kompensierten einzelne Großprojekte die weiter rückläufigen Bestellungen aus China, die seit 2021 kontinuierlich gesunken sind.

Im Nahen und Mittleren Osten investierten Staaten wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate in den Ausbau der Gas- und Netzinfrastruktur, wobei Rechenzentren und energieintensive Industrien wichtige Nachfragetreiber sind. In Ländern wie Ägypten oder dem Irak steigt der Strombedarf vor allem durch Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und dem zunehmenden Kältebedarf. Insgesamt zeigt sich, dass der Aufschwung im Auslandsgeschäft von einer Vielzahl dynamischer Einzelmärkte getragen wird, die dem Anlagenbau auch über 2025 hinaus attraktive Perspektiven eröffnen.

Die Exportquote lag 2025 bei 84% (2024: 79%).

Mehr Produktivität durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz

Zentrale Hebel zur Steigerung der Produktivität im Großanlagenbau liegen in der Modularisierung, Standardisierung und Digitalisierung komplexer Projekte. Künstliche Intelligenz wird zunehmend in Engineering, Beschaffung und Service eingesetzt und ermöglicht spürbare Effizienzgewinne – auch wenn viele Unternehmen bei der Skalierung noch durch die Verfügbarkeit und Qualität von Daten sowie eine unzureichende Infrastruktur gebremst werden.

„KI bietet ein Riesenpotenzial für den Großanlagenbau – aber nur dann, wenn man sich an Kernprozesse wage und KI nicht am Rande einsetze“, so Sen in einer Pressekonferenz des Verbands. Die Geschwindigkeit sei dabei entscheidend im Wettbewerb. Wer ist wie schnell in der Lage, KI in seine Prozesse effizient zu integrieren.

Eine strukturelle Herausforderung ist der Fachkräftemangel. Der demografische Wandel führt zu Engpässen bei erfahrenen Spezialisten in Engineering, Einkauf und Projektmanagement. Unternehmen reagieren mit Qualifizierung, Wissensmanagement und dem Einsatz von innovativen Technologien als Hebel für mehr Produktivität. ?en sagt: „Trotz technologischer Fortschritte bleiben motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen weiterhin entscheidend für den Erfolg internationaler Großprojekte.“

Ausblick: Stabiler Kurs trotz Unsicherheiten

Für 2026 erwarten die VDMA-Großanlagenbauer überwiegend stabile Auftragseingänge und Umsätze. Wachstumspotenzial besteht vor allem in Europa, Indien und Nordamerika. Gleichzeitig gewinnen Services und datenbasierte Geschäftsmodelle zur Stärkung langfristiger Kundenbindungen an Bedeutung. „Trotz geopolitischer Unsicherheiten blickt die Branche zuversichtlich nach vorne. Der Großanlagenbau hat sich robust aufgestellt und wird globale Transformationsprozesse aktiv mitgestalten – vorausgesetzt, Europa schafft rasch wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für das Projektgeschäft der Zukunft“, lautet das Fazit des Vorsitzenden des VDMA-Großanlagenbaus.