Sinkende Nachfrage schon vor der Corona-Krise

Nach dem Vorjahr 2018 bzw. 2018/2019, das unter gebremstem Wachstum stand, hat der Markt im Berichtsjahr 2019 bzw. 2019/2020 weitestgehend stagniert. Eine Entwicklung, die sich in der WITS-Statistik der bestellten und gelieferten Flurförderzeuge spiegelt. Die Zahl der georderten Fahrzeuge ist über sämtliche Geräteklassen um rund 2 Prozent gesunken. Die Summe der ausgelieferten Geräte ist dagegen gestiegen, aber kaum spürbar. JÜRGEN WARMBOLD

Im Berichtsjahr 2019 ist der Auftragseingang bezogen auf Einheiten gemäß den World Industrial Truck Statistics (WITS) global von 1.537.979 (2018) auf 1.506.876 gefallen. Daraus ergibt sich nach sechs Jahren mit Zuwächsen ein Minus.

Für Europa meldet die WITS hinsichtlich der Bestellungen, gemessen an 2018, eine Einbuße um 33.512 auf 490.551 Flurförderzeuge (Vorjahr: 524.063) und somit um 6,4 Prozent. In Westeuropa ist das Marktvolumen gegenüber 2018 (435.000 Einheiten) im Berichtsjahr (406.100) um 6,7 Prozent gesunken. Eine Entwicklung, die vor allem auf den Zahlen der umsatzstärksten Märkte – Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien – basiert. In Osteuropa hat sich das Marktvolumen 2019 von rund 94.100 (2018) auf 88.800 Flurförderzeuge (-5,6 Prozent) abgeschwächt. Neben Polen, dem größten Markt Osteuropas, haben Russland und Tschechien die wesentlichen Anteile beigesteuert.

In Amerika verzeichnet man eine Kürzung beim Auftragseingang von 328.610 (2018) auf 306.448 (2019) Einheiten und somit ein Minus von circa 6,7 Prozent. Davon entfällt der größte Teil weiterhin auf den nordamerikanischen Markt, der einen Rückgang von etwa 277.000 (2018) auf 255.000 (2019) Geräten aufweist (-7,9 Prozent). In Asien ist dagegen die Stückzahl der bestellten Flurförderzeuge erneut gestiegen und zwar von rund 637.000 im Vorjahr auf 668.000 (2019) und folglich um etwa 4,9 Prozent. Einen spürbaren Beitrag hierzu hat wiederum China geleistet, das ausgehend von circa 436.000 Flurförderzeugen (2018) auf 473.000 Stück (2019) und damit um 8,5 Prozent zugelegt hat. Die übrigen Regionen, Afrika und Australien/Ozeanien, verzeichnen zusammen einen Rückgang von rund 48.000 (2018) auf 42.000 (2019) Einheiten (-12,5 Prozent).

Neben den Regionen meldet die WITS in Bezug auf die Flurförderzeugklassen und die bestellten Geräte eine Mischung aus Zuwächsen und Kürzungen, wobei Letztere überwiegen. In Stückzahlen liegen die Auftragseingänge in Klasse 1 bei 248.994 (Vorjahr: 258.174), in Klasse 2 bei 130.696 (Vorjahr: 141.693) und in Klasse 3 bei 584.396 (Vorjahr: 565.711) Einheiten. Daraus resultierend weist die Klasse 1 (Elektro-Gegengewichtsstapler) ein Minus um 3,6 Prozent und die Klasse 2 (Lagertechnikgeräte mit Sitz oder Standplattform) Rückgänge um 7,8 Prozent auf. Die Klasse 3 (Elektro-Mitgängergeräte) hat dagegen um 3,3 Prozent zugelegt. Eine Ausnahme, zumal die Klasse 4/5 (verbrennungsmotorisch angetriebene Gegengewichtsstapler), die sich nach starken Einbußen 2015 drei Jahre nacheinander wieder positiv entwickelt hat, für 2019 erneut einen Rückgang melden musste. Verglichen mit 2018 (572.401) verzeichnet diese Klasse im Berichtsjahr ein Minus beim Auftragseingang von 5,2 Prozent auf 542.790 Einheiten. Mit einem Anteil von 35,7 Prozent an sämtlichen Klassen bleibt die Klasse 4/5 aber die größte Warengruppe (Vorjahr 37,3 Prozent).

Nach dem Abschwächen der Pandemie dürften sich vor allem die Auftragseingänge für elektromotorisch angetriebene Flurförderzeuge erhöhen. Basierend auf dem nach wie vor wachsenden B2B-E-Commerce-Bereich, der primär den Versandhandel betrifft und damit innerbetriebliche Einsätze verlangt. Dennoch werden Gegengewichtsstapler mit Verbrennungsmotor auch künftig Abnehmer finden. Vor allem in Schwellenländern, in denen die Betreiber hauptsächlich preisgünstige Flurförderzeuge einsetzen, sind weiterhin einfache Geräte gefragt.

Ergänzend zu den Auftragseingängen meldet die WITS Daten über die gelieferten Flurförderzeuge, bezogen auf alle Klassen. Demnach ist ein marginaler Zuwachs von 1.489.523 (2018) auf 1.493.271 Einheiten (2019) zu verzeichnen. Zusätzliche Angaben lassen sich aus unseren Grafiken zum ‚Weltmarkt der Flurförderzeuge‘ und zu den ‚weltweiten Flurförderzeug-Lieferungen‘ ablesen. @Bildunterschrift:(Quellen: WITS Information Sheet 2020; Geschäftsberichte Jungheinrich und Kion)

Die Zukunftsaussichten

Im dritten Quartal 2020 (kumuliert) ist das Weltmarktvolumen an Flurförderzeugen (Auftragseingänge in Stückzahlen), verglichen mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum, von 1.113.302 auf 1.146.401 Einheiten gestiegen. Nach einem Rückgang im Vorjahr sind somit wieder mehr Fahrzeuge bestellt worden (rund 3 Prozent). Die Bestellungen der Klasse 1 sind von 183.211 auf 173.167 Geräte gesunken, die der Lagertechnik insgesamt (Klassen 2 und 3 zusammengefasst) von 521.826 auf 542.152 und die der Klasse 4/5 von 408.265 auf 431.082 gestiegen.

Die FEM (European Materials Handling Federation) hat die Klasse 3 (elektrisch betriebene Mitgängergeräte) 2020 in die Klassen 31 (Elektro-Niederhubwagen) und 32 (Elektro-Hochhubwagen) aufgeteilt! Vergleiche zwischen Bestellungen und Lieferungen der neuen Klassen 31 und 32 sind erst im nächsten Jahr möglich.

Von den bislang 2020 weltweit bestellten rund 1.146.401 Flurförderzeugen (Januar bis September) sind 323.875 Europa (28,3 Prozent) zuzurechnen. Asien-Pazifik hat mit 586.211 einen Anteil von 51,1 Prozent. Auf Amerika entfallen 208.510 Auftragseingänge (18,2 Prozent) und auf die übrigen Regionen 27.805 (2,4 Prozent). @Bildunterschrift:(Quelle: WITS Information Sheet Q3-2020)

Bauarten der Flurförderzeuge: Aufteilung der Weltproduktion 2019 in Stück
Bauarten der Flurförderzeuge: Aufteilung der Weltproduktion 2019 in StückBild: WITS Information Sheet 2020

Veränderungen als Konstante

Es gibt immer wieder Unternehmen, die aus der Weltrangliste ausscheiden und solche, die wir aufnehmen. Im Berichtsjahr 2019 bzw. 2019/2020 hat es weder einen Ab- noch einen Zugang gegeben.

Marktanteile der Firmen

Da die Flurförderzeughersteller, wenn überhaupt, ihre Marktanteile nicht wertmäßig, sondern stückzahlbezogen angeben, haben wir als Alternative dazu – auf Basis der in der Weltrangliste aufgeführten Umsätze – eine Tabelle mit den prozentualen Anteilen der wertmäßigen Erlöse aller beteiligten Unternehmen erstellt. Daraus hat sich eine Summe ergeben, die wir um eine sogenannte Dunkelziffer in Höhe von 5 Prozent ergänzt haben. Die auf diese Weise ermittelte Gesamtsumme dürfte annähernd der Größe des Weltmarkts entsprechen. Aufgrund der Berechnung der Anteile nach wertmäßigen Umsätzen beleuchten wir den Markt zusätzlich aus einer anderen Perspektive. Ein wichtiger Ansatz, zumal der Durchschnittspreis einzelner Flurförderzeuge von wenigen hundert Euro, etwa für einen Handgabelhubwagen, bis zu rund einer Million Euro für einen Reachstacker differieren kann.

Der Einfluss der Devisenkurse

Da die Weltrangliste der Flurförderzeuge im Euro-Raum erarbeitet wird, geben wir die Umsätze in Euro an. Wir tun dies, obwohl die Länder, die nicht zur Euro-Zone gehören, nach lokalen Gesetzen zur Rechnungslegung in der Landeswährung verpflichtet sind.

Bis zum Berichtsjahr 2013 bzw. 2013/2014 haben wir in diesen Fällen zum Geschäftsjahresende des jeweiligen Unternehmens nach den Kursen der Europäischen Zentralbank (EZB) umgerechnet und die Werte in die ‚Umrechnungstabelle zur Weltrangliste‘ eingetragen. Als Reaktion auf den starken Kursrutsch des Euro im ersten Quartal 2015, z.B. verglichen mit dem US-Dollar und dem Yen, rechnet die Redaktion die für die dhf Weltrangliste gemeldeten Valutawerte ab dem Geschäftsjahr 2014 respektive 2014/2015 über die Jahresdurchschnittswechselkurse in Euro um. Diese beziehen sich auf das betreffende Kalenderjahr, in das mindestens neun Monate der Geschäftsjahre aller Unternehmen fallen.

Aufgrund der Kursschwankungen, die auch in der Zukunft nicht auszuschließen sind, ist deutlich geworden, dass die frühere Praxis, den Kurs des letzten Tages des jeweiligen Geschäftsjahres zugrunde zu legen, zu ungerechten Bewertungen führen kann. Eine Vergleichbarkeit mit den Vorjahren ist weiterhin gegeben, weil die Abweichungen, die aus der Umstellung resultieren, weniger gravierend sind als die, die wegen der starken Kursschwankungen aufgetreten wären.

Nach wie vor listet die dhf Weltrangliste die Geschäftsjahresumsätze auch in der jeweiligen Landeswährung auf und bietet damit ein Alleinstellungsmerkmal, durch das erst ein realitätsnaher Vergleich der Flurförderzeughersteller möglich ist!

Erläuterungen zur Liste

Die Tabelle der Weltrangliste zeigt die einzelnen Unternehmen in absteigender Reihenfolge des Flurförderzeugumsatzes. Sie sind mit ihrem Logo, ihrem Kurznamen und dem Land der Firmen- respektive Konzernzentrale aufgeführt. Bei den Erlösen handelt es sich um konsolidierte Nettoumsätze, also ohne Interdivision- und Intercompany-Umsätze.

Wir haben Hersteller aufgenommen, die im Berichtsjahr ein Umsatzvolumen von mindestens 10Mio. Euro durch Flurförderzeuge ausweisen.

Analog zu den Gepflogenheiten renommierter Produzenten zeigen wir – falls realisierbar – die Daten der letzten fünf Jahre.

Die Kurstabelle basiert auf dem Euro. Die Währungen haben wir, den Kursen der Europäischen Zentralbank (EZB) entsprechend, anhand von Jahresmittelwerten umgerechnet.

Die Angaben zum Gewinn oder Verlust des jeweiligen Herstellers beziehen sich auf das Gesamtunternehmen. Auf die dazugehörenden Zahlenangaben verzichten wir in der Tabelle; stattdessen geben wir ‚G‘ für ‚Gewinn‘, ‚V‘ für ‚Verlust‘ und ‚U‘ für ‚unbekannt‘ an. In den Kommentaren zu den Unternehmen gehen wir gelegentlich näher auf die erreichten Ergebnisse ein.

Die Haupttabelle enthält Spalten für die Anzahl der Mitarbeiter des Gesamtunternehmens und des Flurförderzeugbereichs. Bei Herstellern mit einer Mischproduktion ist die Personalstärke in der Flurförderzeugsparte oft nicht genau feststellbar. Daher sind hier manche Felder freigeblieben.

Neben der Haupttabelle veröffentlichen wir eine Schnellübersicht mit dem Flurförderzeugumsatz in Euro, mit den sich aus den einzelnen Erlösen ergebenden Marktanteilen sowie mit der Bewegungsrichtung bei den Platzierungen im Vergleich zum Vorjahr.

Ein Teil der in unserer Weltrangliste aufgeführten Hersteller sind Kapitalgesellschaften, die im Sinne der Handelsgesetzbücher (Commercial Codes) der Herstellerländer gesetzlich zum Erstellen und Veröffentlichen von Geschäftsberichten verpflichtet sind. Anhand dieser Geschäftsberichte, die wir eingehend analysiert haben, ordnen wir die Unternehmen gemäß den erforderlichen Kriterien ein. Den Geschäftsberichten liegen in der Regel Gewinn- und Verlustrechnungen, Bilanzen sowie Kapitalflussrechnungen (Cashflow Statements) bei, woraus sich die Leistungsfähigkeit und die Krisenfestigkeit ermitteln lassen. Abgesehen davon haben wir uns im Internet informiert, Zahlen und Fakten daraus entnommen und, soweit möglich, überprüft, ob die Internetauftritte aktuell sind. Außerdem haben wir an alle Hersteller Fragebogen verschickt. Die darin von den Unternehmen genannten Angaben hat die Redaktion nach einer Plausibilitätsprüfung übernommen, wenn keine anderen Informationen vorgelegen haben.

Erfreulicherweise ist die Informationsbereitschaft der Unternehmen sehr groß. Es gibt nur wenige Firmen, die keine Auskünfte liefern und auf ihren Homepages keine Umsätze melden.

Oberstes Gebot der Redaktion ist es gewesen, das Zahlenmaterial und die sonstigen Informationen mit äußerster Sorgfalt auszuwerten und die Weltrangliste objektiv zu erstellen. Wegen der Vielzahl der Angaben, der unterschiedlichen Definitionen und der finanztechnischen Vorschriften in den einzelnen Ländern sind Fehler nicht auszuschließen. Dafür bitten wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, um Verständnis. Sollten uns Fehler unterlaufen sein, bitten wir um Ihre Nachricht. Erforderliche Korrekturen veröffentlichen wir in der nächsten Weltrangliste.

Dank an die Mitwirkenden

An dieser Stelle bedankt sich die Redaktion bei den Unternehmen und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bei der Erstellung dieser Weltrangliste tatkräftig geholfen und so zum Gelingen beigetragen haben.

Die wichtigsten internationalen Verbände

ABIMAQ = Associação Brasileira da Indústria de Máquinas e

Equipamentos (Wirtschaftsraum Brasilien)

CITA = China Industrial Truck Association

(Wirtschaftsraum VR China)

FEM IT = European Federation of Materials Handling, Product

Group Industrial Trucks (Wirtschaftsraum Europa)

ITA = Industrial Truck Association

(Wirtschaftsraum USA, Kanada, Mexiko)

JIVA = Japanese Industrial Vehicles Association

(Wirtschaftsraum Japan)

KOCEMA = Korean Construction Equipment Manufacturers

Association (Wirtschaftsraum Südkorea)

SIMHEM = Society of Indian Materials Handling Equipment

Manufacturers (Wirtschaftsraum Indien)

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