Maschinensteuerung per App

Welches Geschäfts- und Lizenzmodell steht dahinter? Was sprach für diese Strategie?

Dunkmann: Jeder Kunde erhält über NFC wichtige Prozessdaten direkt auf sein Smartphone, kostenfrei und über eine Weboberfläche. Über eine App lassen sich auch Gerätedaten schreiben und übertragen. Hierbei kann der Kunde je nach Situation aus verschiedenen Paketen auswählen: entweder eine Einzellizenz für ein Endgerät, eine Gruppenlizenz für bis zu zehn mobile Geräte oder eine Enterprise-Lizenz für eine unbegrenzte Anzahl von Smartphones oder Tablet-PCs.

Welche Rolle spielen die akquirierte Firma GPS und die Sicon-Module dabei?

Dunkmann: Zum 1. Januar 2017 hat Schmalz die GPS – die ‚Gesellschaft für Produktionssysteme‘ übernommen. Sie ist ein Ableger des Fraunhofer IPA in Stuttgart. Diese Übernahme ist für Schmalz der nächste, logische Schritt, um weitere Lösungen rund um die intelligente Prozesskommunikation zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Unsere Komponenten, Vakuumgreifer, Vakuumerzeuger und komplexen kundenspezifischen Greifsysteme sind das Bindeglied zwischen Roboter und Werkstück. Das bedeutet, sie arbeiten genau dort, wo die Prozessdaten entstehen. Die Komponenten sammeln diese Daten, interpretieren sie und stellen sie im Netzwerk bereit. Unter dem Produktnamen Sicon hat die GPS nun eine plattformunabhängige Box als Gateway für Prozess- und Anwendungsdaten entwickelt. Sicon erfasst Echtzeit-Informationen und stellt diese über Protokolle wie OPC UA, MQTT oder auch http in der Cloud zur Verfügung. Damit ist die letzte Lücke von der Feldebene bis in die Cloud geschlossen. Sämtliche Prozesse beim Greifen lassen sich digital abbilden. Die Visualisierung der Daten in der Cloud erfolgt automatisch. Möglich macht das die sogenannte IO Device Description – IODD. Durch sie lassen sich IO-Link-Geräte verschiedener Hersteller identifizieren und Parameter sowie relevante Prozess- und Diagnosedaten der Sensoren und Aktoren abrufen. Dadurch kommen Funktionen wie Condition Monitoring zur Prozesskontrolle und Predictive Maintenance als Wartungs-Tool erst richtig zur Geltung.

Auch IO-Link ist seit vielen Jahren als Kommunikationsschnittstelle bei Schmalz gesetzt. Welche Vorteile können Sie dem Anwender damit bieten?

Dunkmann: IO-Link ist bei Schmalz seit 2008 Kommunikationsstandard. Über diese Schnittstelle gelangen erfasste Zustandsdaten schnell bis in die Leitebene. Für den Anlagenbetreiber wird dadurch der Produktionsprozess transparenter. Diagnosen sind fix erstellt, Parametrierungen einfach vorgenommen. Treten Störungen und Fehler auf, hat der Anwender die Möglichkeit, punktgenau einzugreifen. Uns ist wichtig, dass wir dem Anwender je nach Funktion die relevanten Informationen über die passenden Kanäle zur Verfügung stellen. Ein Instandhalter benötigt andere Informationen als das Management. Dementsprechend nutzen wir verschiedene Kanäle wie IO-Link oder eben auch NFC.

Wie ist hier der aktuelle Stand (z.B. Portfolio/Marktreife) bzw. Akzeptanz auf dem Markt?

Dunkmann: Im Wesentlichen geht es darum, die immer komplexeren Prozesse transparenter und Produkte einfacher bedienbar zu machen. Deswegen sind durchgängig digitale Prozesse erforderlich – von der Konstruktion über die Inbetriebnahme und den Betrieb eines Greifsystems bis hin zu Serviceangeboten. Notwendig sind neben intelligenten Systemen auch kluge Kommunikationsschnittstellen. Wir bauen unser Portfolio an intelligenten Robotik- und Automationskomponenten kontinuierlich aus. Denn die steigende Komplexität wird durch solche Systeme erst beherrschbar. Dabei legen wir größten Wert darauf, dass der Umgang mit diesen Komponenten intuitiv ist. Unsere Produkte lassen sich einfach in die Produktionsumgebung integrieren und mit geringem Aufwand in Betrieb nehmen. Wir entwickeln solche Produkte in enger Abstimmung mit unseren Kunden – dementsprechend hoch ist die Akzeptanz.