Covid-19 und die Industrie: Entwicklungen, Aktivitäten, Maßnahmen

IW Köln senkt Konjunkturprognose

Bild: ©winnievinzence/stock.adobe.com

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Kön (IW) geht in seiner aktuellen Prognose davon aus, dass das reale Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr nur um 1,75 Prozent wachsen wird, zeigt die neue IW-Konjunkturprognose. Damit haben sich die Wachstumsaussichten halbiert: Produktionsstörungen, steigende Preise und vielfältige Verunsicherungen bremsen die wirtschaftliche Entwicklung. Für 2023 wird das preisbereinigte BIP voraussichtlich um rund 2,75 Prozent zulegen.

Arbeitsmarkt robust

Vor allem höhere Kosten für Energie, Lebensmittel und Agrarprodukte treiben die Inflation derzeit in die Höhe. Die IW-Konjunkturforscher gehen davon aus, dass die Verbraucherpreise in diesem Jahr um gut 6 Prozent steigen werden. Für 2023 rechnen sie mit einer deutlich niedrigeren Inflationsrate von über 3 Prozent. Trotz dieser Belastungen bleibt der Arbeitsmarkt aus Sicht der Experten in diesem Jahr robust: Die Zahl der Erwerbstätigen steigt um mehr als ein Prozent, sodass im nächsten Jahr ein neuer Höchstwert bei der Erwerbstätigkeit erreicht wird. Gleichzeitig geht das IW davon aus, dass die Arbeitslosigkeit auf weniger als fünf Prozent zurückgehen wird, was dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung entspräche. Ein Indiz: Nie wurden so viele Fachkräfte gesucht wie derzeit.

Krisen und Unsicherheiten prägen Entwicklung

Die deutsche Wirtschaft agiert mehr denn je unter großer Verunsicherung. „Lieferschwierigkeiten aufgrund der erneuten Restriktionen in China zeigen, dass die Risiken der Corona-Pandemie längst nicht ausgestanden sind“, sagt IW-Direktor Michael Hüther. „Gleichzeitig schwebt über allem das Damoklesschwert eines Gaslieferstopps aus Russland.“ Entscheidend für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sei nun, so die Konjunkturforscher, dass es keine zusätzlichen Belastungen durch geopolitische Konflikte gebe und die Preissteigerungen abflache, sodass gegen Ende des Jahres oder spätestens 2023 Erholung eintreten könne. „Auch wenn wir gerade viele Unsicherheiten aushalten müssen, schaue ich mittelfristig vorsichtig optimistisch in die Zukunft“, so Hüther.

Anfang des Jahres bestand noch die Hoffnung, die Corona-Lücke zu schließen – die russische Invasion in der Ukraine belastete die deutsche Wirtschaft jedoch deutlich.

Reichweite der Aufträge für die Industrie mit Rekord

Bild: Ifo Institut

Die deutsche Industrie hat mit ihrem aktuellen Auftragsbestand einen Rekord erreicht. Ohne einen einzigen neuen Auftrag könnte sie 4,5 Monate produzieren, wie aus der Ifo-Umfrage im April hervorgeht. Bei der letzten Umfrage im Januar waren es 4,4 (saisonbereinigt korrigiert) Monate. Im langjährigen Durchschnitt liegt die Auftragsreichweite bei 2,9 Monaten. „Der Zuwachs an Reichweite ist jetzt nur noch gering. Das deutet darauf hin, dass sich der Eingang an neuen Aufträgen allmählich abschwächt“, sagt Timo Wollmershäuser, der Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen.

„Der Auftragsstau spiegelt nicht nur die hohe Nachfrage nach deutschen Industriewaren in den vergangenen Monaten wider, sondern auch die Schwierigkeiten der Unternehmen, die bestehenden Aufträge aufgrund des Mangels an wichtigen Vorprodukten und Rohstoffen zeitnah abzuarbeiten. Falls sich die Lieferengpässe in den kommenden Monaten auflösen würden, könnte die Produktion in der deutschen Industrie durchstarten“, fügt er hinzu. „Das würde dann die Wirtschaftsleistung kräftig anschieben. Allerdings spricht derzeit vieles eher für eine Verschärfung der Lieferengpässe, vor allem als Folge der rigorosen Lockdowns in China, von wo Deutschland zuletzt 15% seiner importierten Vorprodukte bezog.“ Besonders groß ist die Auftragsreichweite in der Autoindustrie (Hersteller und Zulieferer) mit 7,4 Monaten, im Maschinenbau (6,5 Monate) und bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten (6,3 Monate). Am kürzesten reichen die Aufträge der Textil-Hersteller mit 1,7 Monaten.

Deutschlands Unternehmen im Krisenmodus

Bild: Visable GmbH

Die kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland sind im Krisenmodus und erwarten, dass es noch schlimmer wird. Das hat der B2B-Plattformbetreiber Visable in einer Umfrage mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov herausgefunden. Es dominieren die Urängste: Wirtschaftskrise und Krieg werden von 25 bzw. 24% der Befragten als größte Bedrohung für die Geschäftstätigkeit ihres Unternehmens genannt. Mehr als zwei Drittel (68%) der teilnehmenden Entscheider befürchten außerdem, dass es Krisen dieser Größenordnung in den nächsten drei Jahren sogar noch häufiger (44%) oder viel häufiger (24%) geben wird. Auffällig: Corona verliert an Gewicht. Nur noch 11% der Befragten sehen darin die derzeit größte Bedrohung. Damit liegt die Pandemie nach Stimmen sogar noch knapp hinter Cyberattacken (ebenfalls 11%).

Die Bedrohung durch die in der Umfrage genannten Krisenszenarien ist für KMU in Deutschland real und lässt sich in Umsatzeinbußen beziffern: 35% der befragten Entscheider geben an, dass ihr Unternehmen seit Anfang 2021 bis zu einem Viertel des Umsatzes durch die großen Krisen eingebüßt hat. Fast jedes fünfte Unternehmen (18%) hat sogar noch höhere Umsatzverluste erlitten.

Steiler Kostenanstieg bedroht den Geschäftserfolg

Konkret machen den Unternehmen vor allem die massiv steigenden Kosten zu schaffen: 40% der Befragten sehen die steigenden Energiekosten als Bedrohung für ihren Geschäftserfolg. Immer noch mehr als ein Drittel (35%) der Entscheider sehen das Geschäftsergebnis durch steigende Rohstoffpreise bedroht, 31% klagen über Lieferkettenprobleme. Die Personalabteilungen haben zudem mit Ausfällen durch Krankheit und Quarantäne (30%) sowie Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel (26%) zu kämpfen – eine Herausforderung, die deutsche KMU schon lange begleitet. Die anziehende Inflation ist für ein Viertel der Befragten (25%) ein akutes Problem.

KMU-Forderungen an die Politik: Digitale Infrastruktur, Klimaschutz, mehr Europa

Die Unternehmen beugen selbst mit einem breiten Maßnahmenkatalog gegen kommende Krisen vor: Jedes fünfte (20%) hat dafür bereits betriebliche Notfallpläne in der Schublade liegen. Weitere Vorsorgemaßnahmen sind die Bevorratung von Materialien (18%), erhöhte Rückstellungen (16%) und Investitionen in die IT-Kompetenz (16%). Daneben stehen sehr deutliche Forderungen an die Politik zur Steigerung der Resilienz gegen Krisen. Die beiden meistgenannten Punkte sind recht klassisch: Am häufigsten wünschen sich KMU Bürokratieabbau und größere gesetzliche Flexibilität (38%). Steuersenkungen und andere finanzielle Unterstützung liegen mit 36 Prozent auf Platz 2 der Rangliste. Auf den Plätzen 3 und 4 folgen die Megathemen unserer Zeit: Bessere digitale Infrastruktur (30%) und schärfere Maßnahmen gegen den Klimawandel sowie Investitionen in Umweltschutz (29%). Die deutschen KMU setzen außerdem voll auf Europa: 28% schreiben der Politik eine stärkere europäische Zusammenarbeit ins Pflichtenheft.

CFO-Survey sieht starken Stimmungsabschwung in deutschen Unternehmen

Beurteilung der momentanen Geschäftsaussichten der Unternehmen im Vergleich zu den Aussichten vor drei Monaten
Beurteilung der momentanen Geschäftsaussichten der Unternehmen im Vergleich zu den Aussichten vor drei MonatenBild: Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Einer Umfrage des Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmens Deloitte zufolge erwarten viele Finanzvorstände in Deutschland sinkende Gewinnmargen und schrauben ihre Investitions- und Beschäftigungspläne zurück. „Eigentlich sollte 2022 das Jahr der Normalisierung nach der Corona-Pandemie werden“, sagt Dr. Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte. „Konjunkturell wurde erwartet, dass die Wirtschaft mit dem Abflauen der Omikron-Welle einen kräftigen Aufschwung erleben würde. Der Krieg in der Ukraine hat diese Situation und den Ausblick auf das Jahr 2022 allerdings grundlegend verändert.“

Am stärksten fällt die zuletzt stark gestiegene Unsicherheit unter den zwischen Ende März und Mitte April befragten 140 CFOs deutscher Konzerne auf. Aktuell bewerten 74% den Grad der Unsicherheit als hoch oder sehr hoch; das sind fast ebenso viele wie unmittelbar nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie (78%). Noch im Herbst 2021 lag der entsprechende Wert bei 32%.Neben den gestiegenen Energiepreisen (77%, +35% gegenüber Herbst 2021) fürchten die CFOs besonders geopolitische Risiken (77%, +37%), gefolgt von steigenden Rohstoffkosten (71%, +14%). Rund zwei Drittel sehen sich durch den Fachkräftemangel sowie steigende Lohnkosten (59%, +25%) gefährdet. Hoch sind auch die Inflationserwartungen der Finanzchefs, hier rechnet man für die kommenden zwölf Monate mit einer Rate von 6,1%. Damit verdoppelt sich der Wert im Vergleich zum letzten Herbst fast. In einer längerfristigen Perspektive geht gut die Hälfte der Befragten gehen davon aus, dass die Teuerung bis Ende 2023 zwischen drei und vier Prozent liegen wird, während 42% einen Wert deutlich darüber sehen.

Wirtschaftlicher Ausblick verdüstert sich

Zwar bewerten beachtliche 82% der Befragten die aktuelle Wirtschaftslage in Deutschland als positiv oder neutral und somit besser als die Konjunktur in der übrigen Eurozone oder in China, schlechter aber als in den USA. Aber: „Bei den Aussichten für die nächsten zwölf Monate gehen die Werte für Deutschland und die Eurozone steil nach unten. Die Hälfte der CFOs erwartet eine Verschlechterung der Konjunktur“, so Börsch. Detaillierte Zahlen und Analysen für den europäischen Wirtschaftsraum kündigt Deloitte für die zweite Maihälfte an.

Ein starker Rückgang ist auch bei der Bewertung der eigenen Geschäftsaussichten zu beobachten: Hier sinkt der Indexwert von +23 (Herbst 2021) auf -38, der größte Rückgang seit Beginn des CFO Survey 2012, wobei das Ausgangsniveau in der Corona-Krise sehr viel niedriger lag. Insgesamt haben sich somit für mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen die Geschäftsaussichten in den vergangenen drei Monaten verschlechtert.

Besonders betroffen sind Automobilindustrie und Maschinenbau

Der konjunkturelle Einbruch ist in der Autoindustrie besonders ausgeprägt: Hier nehmen 83% der Unternehmen eine Verschlechterung der Geschäftsaussichten wahr. Auch beim für Deutschland sehr wichtigen Sektor Maschinenbau zeichnen die Befragten ein eher düsteres Bild.

Corona-Pandemie wirft MINT-Bildung an Schulen zurück

Die Corona-Pandemie hat auch der MINT-Bildung zugesetzt, Wie aus dem MINT Nachwuchsbarometer 2022 von Acatech und Joachim Herz Stiftung hervorgeht, hat die Corona-Pandemie der MINT-Bildung zugesetzt. Pandemiebedingte Lernrückstände, digitaler Unterricht und migrationsbedingte Benachteiligung würden neue Impulse erfordern, um die Qualität der MINT-Bildung in Zukunft sicherzustellen, heißt es in der Pressemitteilung.

Rückstände in Mathematik

Im Fach Mathematik haben Schülerinnen und Schüler in Deutschland und in anderen europäischen Ländern in der Pandemie Lernrückstände in Höhe von 10 bis 13 Lernwochen bis zum Ende der Grundschule aufgebaut. An Hamburger Schulen hat der Anteil der leistungsstarken Grundschülerinnen und -schüler um knapp 10 Prozent abgenommen – während der Anteil der Leistungsschwachen um gut 10 Prozent anstieg. Das geht aus einer für das Nachwuchsbarometer ausgewerteten Studie hervor.

Aus den Untersuchungen geht zudem hervor, dass das Lehrpersonal während der Lockdown-Phasen die Möglichkeiten des Remote-Unterrichts nicht voll ausgeschöpft hat: angeleitete, eigenständige Projektarbeit wurde von nur 16 Prozent der MINT-Lehrkräfte eingesetzt. Die Mehrheit übertrug dagegen ihren Präsenzunterricht eins zu eins ins Digitale.

Hochschulen kommen besser durch die Pandemie

Der Bereich der tertiären Bildung hat die Auswirkungen der Pandemie besser verkraftet: In einer im MINT Nachwuchsbarometer präsentierten Umfrage unter fast 6.000 Masterstudierenden in den Fächern Mathematik, Informatik und Physik bewerten drei Viertel der Befragten das Krisenmanagement ihrer Hochschule mit der Note ’sehr gut’ oder ’gut’. Die Abfrage bezog sich vor allem auf das Informationsmanagement und die Erreichbarkeit von Kontaktpersonen an der Hochschule.

Die Umfrage lässt zudem darauf schließen, dass die Hochschulbildung nach Corona nicht mehr die gleiche sein wird wie davor: 81 Prozent der Mathematik-Studierenden und sogar 94 Prozent der Informatik-Studierenden lehnen demnach eine vollständige Rückkehr zur traditionellen Präsenzlehre ab. Eine rein digitale Lehre wünschen sich allerdings auch nur die wenigsten Befragten. Laut Nachwuchsbarometer sind bei den MINT-Studierenden vor allem kombinierte Formate wie Blended Learning, Präsenzphasen mit digitalen Elementen sowie hybride Formate beliebt.

Migrationsbedingte Unterschiede

Das Nachwuchsbarometer zeigt auch auf migrationsbedingte Unterschiede in den MINT-Leistungen auf: Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund schneiden in der Regel schlechter ab als ihre Pendants ohne Migrationshintergrund. Aus der aktuellen Ausgabe des MINT Nachwuchsbarometers geht etwa hervor, dass Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund im Fach Mathematik in der 5. Jahrgangsstufe einen Rückstand von mehr als 70 Kompetenzpunkten auf Kinder ohne Migrationshintergrund aufweisen. Übersetzt in Schuljahre bedeutet dies einen Leistungsnachteil von bis zu zwei Schuljahren. Die Leistungsunterschiede werden im weiteren Bildungsverlauf nicht größer, können durch das Schulsystem jedoch nicht abgebaut werden.

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Die Hälfte der Deutschen arbeitet im Homeoffice

Bild: Bitkom e.V.

Homeoffice, flexible Arbeitszeiten und neue Formen der Zusammenarbeit: Die Modernisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt haben sich in der Corona-Pandemie weiter beschleunigt. Aktuell arbeitet die Hälfte aller Erwerbstätigen (50 Prozent) in Deutschland vollständig oder teilweise im Homeoffice bzw. mobil. Laut einer Bitkom-Befragung ist der Zuspruch für flexiblere Arbeitsformen groß. Die Mehrheit der Erwerbstätigen versammelt sich demnach hinter Werten und Einstellungen, die mit ‚New Work‘ verbunden werden: Die Arbeitszeit frei einteilen (95 Prozent), individuelle Leistungs- und Lernziele selbst bestimmen (95 Prozent) und allgemein einer sinnstiftenden Tätigkeit (91 Prozent) nachgehen zu können, sind die Wünsche an den Job. Vom Arbeitgeber wird erwartet, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen (91 Prozent) und Gleichstellung und Diversität zu fördern (92 Prozent). Vor die Wahl gestellt, möchten neun von zehn Erwerbstätigen (88 Prozent) nach der Pandemie zumindest teilweise im Homeoffice arbeiten, acht von zehn (80 Prozent) an einem festen Arbeitsplatz in einem Einzelbüro. Allgemein sollte mobiles Arbeiten in Deutschland nach Ansicht der Mehrheit (71 Prozent) stärker genutzt werden. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) spricht sich dafür aus, dass jede und jeder Beschäftigte einen Anspruch auf eine Prüfung haben sollte, ob die Tätigkeit auch mobil ausgeübt werden kann.

Bild: BITKOM e.V.

Erfahrungen während der Pandemie

Laut Studie hat sich die Sichtweise auf die Digitalisierung der Arbetswelt während der pandemie positiv entwickelt. Mehr als acht von zehn befragten Arbeitnehmern (84 Prozent) sehen die Digitalisierung als Chance für ihre berufliche Situation. 2019 waren es 66 Prozent. 14 Prozent sehen dagegen in der Digitalisierung eine Gefahr für die eigene berufliche Situation (2019: 32 Prozent). Corona-bedingt hat die Mehrheit der Befragten Erfahrungen im Homeoffice gesammelt. Etwa ein Viertel (27 Prozent) geht einer Tätigkeit nach, die vollständig für Homeoffice geeignet ist. 35 Prozent der Jobs eignen sich nach Einschätzung der Befragten zumindest teilweise dafür. 36 Prozent der Tätigkeiten sind dagegen nicht für Homeoffice geeignet. Aktuell dürfen zwei Drittel der Erwerbstätigen (65 Prozent) mobil, etwa im Homeoffice, arbeiten. Von ihnen nehmen drei Viertel (77 Prozent) diese Möglichkeit auch wahr. Auf alle Erwerbstätigen gerechnet – also auch diejenigen, deren Jobs sich nicht für mobiles Arbeiten eignen – macht das genau die Hälfte: 50 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten aktuell ganz oder teilweise mobil bzw. im Homeoffice. Wer nicht mobil arbeiten darf, obwohl dies möglich wäre, ist laut Studie damit unzufrieden. Drei von zehn (30 Prozent) möchten zumindest einen Tag pro Woche mobil arbeiten, zwei von zehn (22 Prozent) mehrere Tage pro Woche und ein Zehntel (10 Prozent) will ausschließlich mobil arbeiten. Das übrige Drittel (34 Prozent) würde zumindest ab und zu mobil arbeiten wollen. Auch unter denjenigen, die einer Tätigkeit nachgehen, für die Präsenz erforderlich ist, wollen viele mehr Flexibilität. Vier von zehn (44 Prozent) würden mobil arbeiten, wenn der Job es zuließe. Dem stehen drei von zehn (29 Prozent) gegenüber, die das nicht möchten. Ein Viertel der Erwerbstätigen mit Präsenz-Jobs (23 Prozent) wünscht sich als Ausgleich andere Angebote wie zusätzliche Urlaubstage oder mehr Selbstbestimmung bei der Erstellung von Dienst- und Schichtplänen. 8 Prozent geben an, dass sie den Job wechseln würden, um mobil arbeiten zu können. Wer sich trotz der Möglichkeit dagegen entscheidet, mobil bzw. im Homeoffice zu arbeiten, nennt dafür technische, persönliche und organisatorisch-kulturelle Gründe, wie etwa eine schlechte Internetverbindung (27 Prozent), einer starken Päsenzkultur (27 Prozent) oder den persönlichen Austausch im Büro (22 Prozent).

Kultur verändert

Mit der Digitalisierung und Flexibilisierung der Arbeitswelt verändert sich auch die Kultur am Arbeitsplatz. Laut Bitkom hat die Pandemie ein Umdenken ausgelöst, was Führung, Kollaboration und Prozesse angeht. Acht von zehn abhängig Beschäftigten (79 Prozent) haben demnach den Eindruck, dass ihr Arbeitgeber seinen Beschäftigten seit der Pandemie mehr vertraut und verstärkt auf Eigenverantwortung setzt. Drei Viertel (74 Prozent) stellen eine größere Aufgeschlossenheit gegenüber digitalen Technologien fest.

Konjunkturerwartungen weiter auf niedrigem Niveau

Bild: ZEW

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland gehen in der aktuellen Umfrage für den Monat April um 1,7 Punkte auf einen Wert von -41 Punkten zurück. Die Einschätzung der konjunkturellen Lage für Deutschland verschlechtert sich in der aktuellen Umfrage ebenfalls. Der Wert des Lageindikators sinkt um 9,4 Punkte und liegt damit bei -30,8 Punkten. Dies ist der zweite Rückgang in Folge seit Beginn des Kriegs in der Ukraine. Wie das ZEW weiter mitteilt, stellen sich die Erwartungen und Lageeinschätzungen aktuell ähnlich dar, wie zu Beginn der Corona-Pandemie im März 2020. Die Erwartungen für die Inflationsrate in Deutschland sinken in der aktuellen Umfrage um 43,4 Punkte auf einen Wert von 26,8 Punkten.

„Die ZEW-Konjunkturerwartungen verharren auf niedrigem Niveau. Die Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die aktuelle wirtschaftliche Lage schlecht ist und sich noch weiter verschlechtern wird. Ein kleiner Lichtblick ist der Rückgang der Inflationserwartungen, wodurch der erhebliche Anstieg des Vormonats etwa zur Hälfte kompensiert wird. Die Aussicht auf eine Stagflation in den kommenden sechs Monaten besteht jedoch nach wie vor“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach die aktuellen Erwartungen.

Die Erwartungen der Finanzmarktexperten an die Konjunkturentwicklung in der Eurozone sinken im April um 4,3 Punkte. Sie liegen damit aktuell bei -43 Punkten. Der neue Wert des Lageindikators beträgt -28,5 Punkte. Dies entspricht einem Rückgang des Lageindikators um 6,6 Punkte zum Vormonat.

Die Inflationserwartungen für das Eurogebiet sinken in der aktuellen Umfrage um 43,6 Punkte. Der Inflationsindikator liegt damit bei 25,9 Punkten. 47,5 Prozent der Expertinnen und Experten gehen von einem Anstieg der Inflationsrate auf Sicht von sechs Monaten aus.

VDI-Ingenieurmonitor: Rekordwert an offenen Stellen

Bild: VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V.

Die Corona-Krise hat vom 1. Quartal 2020 bis zum 4. Quartal 2020 zu einem deutlichen Einbruch der Gesamtzahl an offenen Stellen geführt. Während in den Ingenieur- und Informatikerberufen im 4. Quartal 2019 noch 117.400 offene Stellen zu besetzen waren, fiel diese Zahl auf 92.400 im 4. Quartal 2020. Danach nahm die Gesamtzahl der offenen Stellen von Quartal zu Quartal wieder deutlich zu und erreichte im 4. Quartal 2021 ein Niveau von 140.000 offenen Stellen. Damit liegt die Gesamtzahl der offenen Stellen nicht nur höher als vor der Corona-Krise, sondern erreicht sogar einen Rekordwert seit Beginn der Aufzeichnungen zum Ingenieurmonitor im Frühjahr 2011.

Weitere Zunahme erwartet

Auch für das 1. Quartal 2022 ist mit einer weiteren Zunahme der offenen Stellen zu rechnen, auch wenn dann im Laufe des Jahres 2022 durch den Krieg in der Ukraine mit einer konjunkturellen Abkühlung bei den offenen Stellen zu rechnen ist. Etwas zeitverzögert zeigen sich die Effekte bei der Arbeitslosigkeit. Diese betrug im 4. Quartal 2019 noch 32.500, stieg dann auf rund 45.500 im 4. Quartal 2020 und sank bis zum 4. Quartal 2021 wieder auf 36.128. Setzt man die Zahl der offenen Stellen in Bezug zur Zahl der Arbeitslosen, ergibt sich die Engpasskennziffer in Ingenieur- und Informatikerberufen. Im 4. Quartal 2019 kamen rechnerisch auf 100 Arbeitslose noch 362 offene Stellen. Im 4. Quartal 2020 sank diese Engpasskennziffer auf 203 und stieg danach auf 387 im 4. Quartal 2021. Damit sind im 4. Quartal 2021 die Engpässe insgesamt größer einzuschätzen als im Vergleichsquartal vor der Coronakrise.

Unterschiede zwischen den Berufen

Dabei unterscheiden sich die Engpässe deutlich zwischen den Berufen: die größten Engpässe bestehen bei den Ingenieurberufen Bau/Vermessung/Gebäudetechnik und Architektur. An zweiter Stelle folgen die Ingenieurberufe Energie- und Elektrotechnik vor den Informatikerberufen. Auch in allen anderen Ingenieurberufen bestehen im vierten Quartal Engpässe, das heißt, es kommen rechnerisch auf 100 Arbeitslose mehr als 100 offene Stellen.

Weniger Kurzarbeit im März

Bild: Ifo Institut

Die Zahl der Kurzarbeitenden ist im März etwas gesunken. 620.000 Menschen waren in Kurzarbeit, nach 685.000* im Februar. Das sind 1,8 Prozent der Beschäftigten, nach 2 Prozent*. Das schätzt das Ifo Institut aufgrund seiner Umfragen und der Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. „Die Entwicklung war nicht überall gleich“, sagt Ifo-Experte Stefan Sauer. „In der Industrie stiegen die Zahlen, im Handel und im Gastgewerbe sanken sie.“ Im Gastgewerbe sank die Zahl von 215.000* auf 170.000, also von 20,2* auf 16 Prozent der Beschäftigten. Im Einzelhandel sank die Zahl nach Ifo-Angaben merklich von 96.000* auf 56.000, also von 3,9* auf 2,3 Prozent. In der Industrie ging es dagegen hoch von 122.000* auf 140.000 (2 Prozent), darunter in der Autoindustrie von 36.000* auf 43.000 (4,5 Prozent). Vor Corona hatte die Zahl der Kurzarbeitenden im Februar 2020 bei 134.000 gelegen, im März 2020 war sie auf 2,6 Millionen gesprungen und im April 2020 hatte sie den Rekordwert von 6 Millionen erreicht. Der vorherige Höchstwert während der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise lag 2009 bei 1,5 Millionen Kurzarbeitenden. (*revidierte Zahl)

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Arbeitsvolumen 2021 bleibt unter Vorkrisenniveau

Im vergangenen Jahr haben die Beschäftigten in Deutschland 60,6Mrd. Arbeitsstunden geleistet. Das entspricht einem Anstieg im Vergleich zu 2020, liegt aber immer noch unter Vorkrisenniveau. Das Arbeitsvolumen ist 2021 um 1,9 Prozent auf 60,6Mrd Stunden gestiegen. Im Vergleich zum Jahr 2019, also vor der Covid-19-Pandemie, lag es aber immer noch um 3,1 Prozent niedriger. Dies geht aus der Arbeitszeitrechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Die Zahl der Erwerbstätigen ist im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleichgeblieben und lag im Jahresdurchschnitt bei 44,9Mio. Personen. Die Arbeitszeit betrug nach IAB-Angaben rund 1.349 Stunden und somit 1,9 Prozent mehr als 2020, aber 2,3 Prozent weniger als 2019. Die Teilzeitquote sank im Vergleich zum Vorjahr -0,1 Prozentpunkte. Die Anzahl der Teilzeitbeschäftigten ist 2021 mit 0,1 Prozent schwächer gestiegen als die Anzahl der Vollzeitbeschäftigten mit 0,4 Prozent.

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